Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376773
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DIE 
ARCHITEKTUR. 
des Geschränkes bei Schreinen und Schränken, und deren blosse Ver- 
zierung der geringeren Bedeutung der in Rede stehenden Artefakte 
durchaus angemessen. Diese eigentlich gotische Weise, welche sowohl 
die frühe italienischel) als die frühe ClCutSChe Renaissance 2) geübt hat, 
ist sehr empfehlenswert, weil sie die mobile Ausstattung der Innen- 
räume in klaren Gegensatz zur festen Architektur bringt, während sie 
sich mit der idealen Gestalt der letzteren durchaus verträgt. Die ent- 
stehenden Flächen dürfen mit beliebigen VCrZiCrungen bedeckt werden 
nach den für die Ornamentik geltenden Grundsätzen. 
DAS 
ORGANISCH SCHÖNE IM 
MATERIAL. 
VERHÄLTNIS 
ZUM 
Die Idee muss verkörpert werden in einer Materie. Vermöge 
einer Prozedur wird der Werkstoff dem Zweck und dessen ästhetischer 
Erscheinung angepasst. Die Stoffe, welche zur Herstellung der Arte- 
fakte zur Verfügung stehen, sind aber in ihren technischen Eigen- 
schaften sehr verschieden, und dieser Verschiedenheit muss in der 
Prozedur Rechnung getragen werden, weil ja das Erzeugnis existenz- 
fähig und dauerhaft sein soll. Daher erhebt sich die Frage, ob nicht 
durch ein anderes Material eine andere Form der funktionierenden 
Glieder oder überhaupt eine andere Form bedingt werde, als sie der 
Zweck fordert. 
Der zweckliche Gedanke ist völlig unabhängig vom Material; die 
organischen Formen müssen, wie schon oben gesagt, in allen Fällen 
gleich sein, WO dieselbe Thätigkeit versinnlicht werden soll. Ganz 
ebenso, wie thatsachlich zur Herstellung der Artefakte stets diejenigen 
Stoffe gewählt werden, welche möglichst vollkommen und naturgemäss 
dazu geeignet sind, z. B. zum Weben Hanf und Wolle, aber nicht 
Glas oder Metall, so ist auch in der Idee vollkommene Zweckmässig- 
keit des Materials schon vorausgesetzt und werden keinerlei Ver- 
schiedenheiten desselben berücksichtigt. Daraus ergiebt sich, dass 
das Material der zwecklichen Form rein negativ gegen- 
übersteht. Es kommen wohl Modifikationen der Kunstformen vor; 
I) Vergl. die Abb. bei Semper a. a. O. II, S. 335. 
2) Abb. bei Lübke, Gesch. d. deutschen Renaissance, 
Stuttg. 
Fig" 
1882,
        

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