Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374939
DIE NACHAHMUNG. 
Kehren wir zurück zu demjenigen Begriff der Idee, welcher nichts 
bedeutet, als die Vorstellung eines gegebenen Gegenstandes, so kann 
die Vorstellung von dem Gegenstand bei verschiedenen Subjekten eine 
abweichende sein und diese Abweichungen werden sich bei künst- 
lerischer Thätigkeit im Bilde äussern. 
Dieselben könnten beruhen auf künstlerischer Unfähigkeit; in 
vielen Fällen aber sind sie auf die Wirkung eines subjektiven Ideals 
zurückzuführen. Diese Idee, als die Vorstellung, welche ein Subjekt 
von einem gegebenen Gegenstand hat, nenne ich „ transscendentale 
Idee" im Gegensatz zu der transscendenten platonischen. jene be- 
deutet eine Vervollkommnung des Gegenstandes, also eine Veränderung 
auf Seite des Objektes, diese eine Veränderung auf Seite des Sub- 
jektes. Die meisten Kopien können hiefür als Beispiel dienen, indem 
sie durchweg Abweichungen der Auffassung zeigen, also nicht rein 
objektiv sind. Eine transscendente Idee, gefasst von einem (künst- 
lerischen oder betrachtenden) Subjekt ist natürlich immer auch trans- 
scendentale Idee; allein deshalb darf man die beiden an sich ver- 
schiedenen Begriffe doch nicht zusammenwerfen. 
Es ist selbstverständlich und ergiebt sich aus dem logischen 
Gesetze der Identität,  dass nur eine einzige Vorstellung  und ebenso 
nur eine einzige Darstellung im Bilde  die zutreffende und wahre 
sein kann. Diese dem Bilde zu Grunde liegende Vorstellung kann 
man die „konkrete Idee" nennen, weil in ihr eine Abstraktion (von 
Merkmalen des gegebenen Gegenstandes) nicht stattfindet. So steht 
sie in der Mitte zwischen der platonischen Idee, welche, obgleich als 
sinnliche Erscheinung ebenfalls konkret, dennoch im Verhältnis zu 
einem gegebenen unvollkommenen Gegenstand nur durch Abstraktion 
zustande kommt, und zwischen der subjektiven, transscendentalen Idee, 
d. h. der Vorstellung, welche ein beliebiges Subjekt von dem Gegen- 
stande hat, indem sie Weder auf objektiver.noch auf subjektiver Seite 
vom Gegenstande selbst abweicht. I) 
auch das Besonderste die Möglichkeit in sich trägt, eine ästhetische Befriedigung 
herbeizuführen; aber es trägt dieselbe nur in sich durch Realität des voraus- 
gesetzten Besonderen, während "Idee" bei Vischer gerade im Sinne eines Gegen- 
satzes zu allem Besonderen genommen wurde. 
I) In einer im Frühjahr 1886 erschienenen Schrift über "die Grenzen der Kunst 
und die Buntfarbigkeit der Antike" (Berlin bei Grote) habe ich den Ausdruck "Idee 
in concreto" gebraucht, um damit den Gegenstand des Bildes im Gegensatze zu 
dem ästhetischen Postulat zu bezeichnen, dass das Bild eine platonische Idee dar- 
stellen müsse. E. v. Hartmann unterscheidet in seinem cit. historisch-kritischen 
Werke zwischen dem "abstrakten" und "konkreten" Idealismus in der modernen
        

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