Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376715
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DIE 
ARCHITEKTUR  
Ausdruck zu finden, als der neueren Kunst die Findung einer anderen 
jemals möglich sein wird?) 
Bötticher fasst leider die Kannelur, und überhaupt die Kunst- 
formen, als Nachahmungen auf. Es handelt sich aber um ein blosses 
Analogon, dem immerhin ein dunkles Gedächtnisbild zugrunde liegen 
 mag. Man kann den Narthex, den Doldenstamm gewisser Pflanzen, 
vergleichsweise anführen, aber die Griechen haben ihn sicherlich nicht 
abgebildet, noch auch darf die Kunstform als Abbildung verstanden 
werden. Sie ist und war gewiss schon für die Griechen ein rein ab- 
strakter Ausdruck des unbeugsamen Aufstrebens und des Anundfür- 
sichbestehens der der Funktion des Raumabschlusses enthobenen Säule. 
Aus dem letzteren Grunde sind die Spitzen der Kanneluren im Grund- 
riss nach aussen gerichtet. 
Über die Bedeutung der Verjüngung der Schwellung des Säulen- 
schafts (Entasis), welche dem Profil desselben grössere Elastizität 
verleiht, ist man so ziemlich einig. Bötticher sagt darüber: "Hier 
verleiht die sanfte Kurvenlinie dieser Anschwellung" der trockenen rein 
mathematischen Körperform des konischen Cylinders den Ausdruck 
von energischer Widerstandsfähigkeit gegen Niederbeugung; zugleich 
gewinnt der Säulenstamm von der Entasis ab wahrnehmbarer an 
Schnelligkeit der Verjüngung nach oben hin. Das Gegenteil hiervon, 
den Anschein von Schwächung und der Neigung zum Einbiegen, würde 
eine umgekehrt und nach einwärts gezeichnete Kurvenlinie bewirken. 
Man kann darüber nicht schwankend bleiben, dass nur aus dieser eben 
berührten Absicht die Entasis der Hellenischen Säule hervorging: einen 
materiellen oder statischen Nutzen hat sie nicht; wie alle Kunstformen 
nur scheinbar fungieren, so scheint auch sie bloss den Widerstand 
gegen Niederbeugung zu verstärken." 
Als Kunstform des Gebälks kann ein einfacher wagerechter 
Balken, wie ihn der Architrav (das Epistyl) des dorischen Tempels 
darstellt, nicht ausreichen; vielmehr ist erfordert eine Gliederung des 
Gebälks, aus welcher dessen Selbständigkeit erhellt. Naturgemäss 
findet dieselbe statt in einen Hauptbestandteil, ein auf den Stützen 
fussendes Glied und eine Bekrönung. 
Der Hauptbestandteil wird keine andere Form haben können, als 
die gerade Vorderfläche des lagernden Balkens. Diese Fläche, der 
Fries, giebt jedoch die beste Gelegenheit zur Anbringung von Ver- 
zierungen jeder Art. Wenn dieselbe, wie bei den späteren Denkmalen 
1) Vergl. 
Bötticher, Tektonik 
Hellenen, Berlin 
1874 I:
        

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