Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376506
D- (l M Schlüsse seiner Untersuchung über die Vereinigung der 
ä' Künste trifft v. Hartmann mit G. Engel in der Ansicht 
er ""51 zusammen, dass ein Zusammenwirken mehrerer Kunstarten 
 wohl zulässig sei, indem dabei zwar jede von ihnen eine 
"Einbusse" erleide, aber zugleich wieder insofern ein Gewinn erzielt 
werde, als jede Einzelkunst für sich nie „das ganzeiSchöne" geben 
könne. v. Hartmann erklärt den von Engel gewonnenen Gesichts- 
punkt für denjenigen, welcher in der Frage „hinfort für die Ästhetik 
allein massgebend sein kann." Indessen giebt jede Kunstart das Schöne, 
welches sie darstellen will und kann, ganz; und es wäre nicht im 
Hinblick auf einen dafür einzutauschenden Gewinn, sondern überhaupt 
gleichgültig, wenn bei der Verbindung eine oder die andere Kunst 
eine Einbusse erlitte. Denn die Künste sind an und für sich bloss 
Darstellungsmittel, aber nicht Gegenstand der Betrachtung, und der 
Grund ihrer Vereinigung ist lediglich die Vollständigkeit des zu er- 
zeugenden Bildes. Während infolge derselben sodann auch eine all- 
seitige Schönheit des Bildes eintreten kann, findet die behauptete 
Einbusse gar nicht notwendig oder in jedem Falle statt: die plastische 
Kunst erfährt keine Einbusse an polychromen Bildwerken und das 
Bühnengemälde keine solche durch das dramatische Kunstwerk, noch 
ist dies umgekehrt der Fall. 
Dass das Gesamtkunstwerk die Gefahr des Vordrängens von 
Nebensachen, welches dem Drama verderblich wäre, jederzeit in sich 
birgt, lässt sich nicht bestreiten. Aber es giebt einen Punkt des ab- 
soluten Gleichgewichts aller zusammenwirkenden Faktoren, welcher 
getroffen werden kann. Freuen wir uns, dass gerade das Gesamt- 
kunstwerk der unerträglichen Erscheinung des Dramas in der früheren 
Oper ein Ende gemacht, dass es den Sänger zum dramatischen Künst- 
ler erhoben hat. Jakob Burckhardt erklärt den Umstand, dass" die 
Italiener der Renaissance kein Drama erzeugt haben, daraus, dass es
        

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