Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376475
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DIE 
VERBINDUNG 
DER 
MUSIK 
MIT 
ANDEREN 
KUNSTARTEN. 
diese Bedingung nicht erfüllt. So z. B. stehen sich in dem Quintett 
im dritten Aufzug der "Meistersinger" zwei Gruppen gegenüber, deren 
ausgesprochene Gefühle sich schlechterdings nicht vereinigen lassen. 
Man muss die untergeordnete, David und Magdalena, lediglich als ein 
musikalisches Instrument betrachten, welches keine Aufmerksamkeit 
für sich beanspruchen darf. Aber auch Eva, Walther und Sachs sind 
unter sich nicht einig. Angesichts der hohen musikalischen Schönheit 
des Quintetts wollen wir uns trotz der Verschiedenheit der Texte mit 
der Erklärung zufrieden geben, dass diese Personen wenigstens in 
Bewunderung der "seligen Morgentraumdeut-Weise" und in einer 
musikalischen Feier derselben zusammentreffen. Keiner der Texte 
dominiert jedoch in seiner musikalischen Gestalt mit der Deutlichkeit, 
welche hierfür erwünscht wäre und das ganze Musikstück fallt zweifel- 
los aus der Stileinheit des Musikdramas heraus. Der Kanon im I. Akt 
des "Fidelio": „Mir wird so wunderbar" (HuIunderbangW schreibt 
Marx) ist dramatisch besser, weil die zur ersten hinzutretenden Stimmen 
sich in die dominierende Gefühlsäusserung der Marzelline einordnen; 
dagegen stehen wir auch hier nach wenigen Takten in einem Musik- 
stück, welches dem schon Ausgesprochenen nichts hinzufügen kann 
und im Drama eine heterogene Sache ist, indem es als Musikstück 
genossen sein will. 
Das Melodrarn wirkt dadurch ganz unkünstlerisch, dass der 
Tonfall des gesprochenen Wortes Harmonie und Rhythmus der Musik 
fortwährend durchbricht. Der Schauspieler mildert diesen Fehler, 
wenn er, wie ein gefeierter Künstler in Byrons Manfred bei der 
Schumann'schen Musik zu thun pflegte, der Melodie im Tonfall der 
Sprache etwas nachgiebt; hierdurch entsteht aber ein in anderer Rich- 
tung unerquicklicher Eindruck. An die Stelle einer einheitlichen musi- 
kalischen Vertiefung des Inhaltes der Dichtung treten abwechselnd 
Deklamationsteile und musikalische, häufig tonmalerische Illustratio- 
nen bedenklicher Gattung, wie z. B. in den Hebbel-Schumandschen 
Deklamationsballaden. Der Gebrauch dieser Kunstform kann also nicht 
gebilligt werden. Die Griechen haben ihr jedoch, nach Westphal, 
eine häufige Anwendung verstattet. Vorn Melodram zu unter- 
scheiden ist eine im realistischen Drama zufällig ertönende Musik, wie 
dies z. B. beim Monolog der johanna im 4. Aufzug der Jungfrau 
von Orleans" der Fall ist. 
Mit der Anerkennung des Musikdramas sind wir zu einer Kunst- 
form gelangt, welche sogar mit Rücksicht auf den Wunsch einer Ver- 
einigung aller existierenden Kunstarten Gesamtkunstwerke liefern kann. 
Nur idealistische Dramen werden Musikdramen sein können; im rea-
        

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