Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376300
DIE 
VERBIND UNG 
DER 
MUSIK 
MIT 
ANDEREN 
KUNSTARTEN. 
145 
darüber wirdiim Ernste niemand streiten wollen. Es ist jedoch be- 
strittenworden, dass die Musik Empfindungen wecken müsse. Letz- 
teres ist allerdings nicht der Fall; wer nicht die hier notwendige 
Empfänglichkeit hat, wird die Empfindung nicht haben, und wer nur 
unvollkommen empfänglich ist, der wird sie nicht ganz deutlich haben; 
man kann endlich trotz jener Fähigkeit die Musik mit geflissentlichem 
Ausschluss der Empfindung betrachten. Auf diese Thatsachen kommt 
es aber gar nicht an. Die Frage ist in der vorliegenden Form falsch 
gefasst. Es muss vielmehr gefragt werden, 0b die Musik, wenn sie 
Empfindungen weckt, diese Empfindungen mit Notwendigkeit 
wecke, d. h. sie bei einer Mehrzahl von anhörenden empfänglichen 
Subjekten in gleicher Weise wachrufe. Denn erst dadurch kann jener 
geistige Inhalt in die Aussenwelt treten und anderen Menschen als 
dem Komponisten bekannt oder vermittelt, er kann also erst dadurch 
zum künstlerischen Gegenstand der Musik werden. 
Empfindungen, welche durch Nachahmung objektiv dargestellt 
werden, können nur angeschaut werden durch Nachempiindung (Mit- 
empiindung). Dies ist die Anschauungsform der lyrischen Dichtkunst, 
welche gleichfalls Empfindungen nachahmt, indem sie dieselben als 
von einem Subjekt gegenwärtig erlebt werdend darstellt. Die Lyrik 
bezeichnet und entwickelt jedoch die Empfindungen durch Begriffe," 
welche sie durch Worte vermittelt. Dieser" Weg der Vermittelung ist 
der Musik freilich verschlossen. Allein darum fehlt ihrem Inhalt doch 
nicht die Mitteilungsfähigkeit überhaupt, und vielleicht hat sie eine 
wirksamere, als die Dichtkunst. 
Für die Thatsache, dass die Musik Empfindungen nachahmend 
darstellen kann, wäre es gleichgültig, wie geheimnisvoll oder wie trivial 
die Erklärung derselben ausfiele; es wäre gleichgültig, 0b dabei nur 
ein symbolischer Zusammenhang zwischen Zeichen und Bezeichnetem 
oder eine unmittelbare Wirkung stattfände, wenn jener nur allgemein 
verständlich wäre. Indessen scheint es mir nicht zweifelhaft zu sein, 
dass die drängenden, stockenden oder ruhig schwebenden Gebilde der 
Musik auch uns Hörer zu der gleichen Seelenbewegung fortziehen, 
sobald wir ihr nur überhaupt die Herrschaft über uns einräumen. In 
dieser NVeise ahmt die Musik nach durch zwei Faktoren: I) durch 
die Stimmung der Harmonie und 2) durch die Bewegungsart des 
Rhythmus. 
Ob es einen Charakter 
Alt, System der Künste. 
der 
Tonarten 
giebt , 
(welche auch 
lO 
der
        

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