Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376299
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VERBINDUNG 
DER 
MUSIK 
MIT 
ANDEREN 
KU NSTARTEN. 
Verhältnis zum Bilde negativ. Sie lässt sich mithin nur aus der 
Scheinnatur desselben rechtfertigen. In der Hinsicht steht ihre Zu- 
lässigkeit an sich ausser Zweifel; ihre Verwendung wird jedoch nach 
einem von uns früher entwickelten Gesichtspunkt nur bei hoher Idea- 
lität des Dramas gerechtfertigt sein. Das ist der wahre Kern der 
R. Wagnefsehen Ansicht, dass der eigentliche Gegenstand des Musik- 
dramas der Mythos sei. Das antike Drama bestätigt diese Auffassung. 
Wenn jedoch die Musik im Drama keinen andern Wert hätte als 
diesen, so durfte derselbe doch wohl nur als ein untergeordneter An- 
lass zu der Verbindung der fraglichen Künste betrachtet werden. 
Erfüllt ja die gebundene Rede ganz dieselbe Aufgabe, wenn auch nicht 
in gleich idealer Form. Wir wollen daher untersuchen, ob sich nicht 
noch ein anderer Grund der Verbindung auffinden lässt. 
Hanslick hat verlangt, dass allein die Tektonik der Musik zum 
eigentlichen Gegenstand des musikalischen Genusses gemacht werde, 
die Tonarabeske. NVas Hanslick hinzusetzt, um die ästhetische Be- 
deutung dieses Kunstwerks zu heben, ist für die kritische Klassifikation 
desselben wertlos. Auch die Erfindung einer guten und neuen Ara- 
beske pflegt nur dem bedeutenden bildenden Künstler zu gelingen; 
aber sie bleibt als Objekt ein sehr untergeordneter Kunstgegenstand, 
Sicherlich giebt es solche Musik. Allein mit Recht sagt Marx 
(„Beethoven" 1863 I, S. 253): „Der Mensch kann auch in der Kunst 
nicht end- und zwecklos fortspielen." Eine derartige Beschäftigung 
wäre, sowenig der besondere Reichtum des musikalischen F ormenspiels 
geleugnet werden soll, trotz aller „musikalischen Ideen" gedankenlos 
und unwürdig. Einem Beethoven konnte diese Form seiner Kunst 
auf die Dauer nicht genügen. Deshalb tritt mit innerer Notwendigkeit 
die Frage auf, ob die Musik nicht auf irgendwelche Art zu einem 
geistigen Inhalt gelangen könne. Und ein solcher allein wäre auch 
im Stande, ihre Verbindung mit dem Drama aus dessen Gegenstand 
selbst und nicht bloss aus ihrer negativen Wirkung zu begründen und 
zu rechtfertigen. Ein solcher Inhalt ist ihr zugänglich in der nac h- 
ahmenden Darstellung des menschlichen Empfindungslebens, 
welche ja auch im Drama stattfindet oder wenigstens stattfinden soll. 
Die Erfahrung lehrt, dass die Musik "Stimmungen" in uns 
'wachruft und dieselben durch eine Veränderung ihrer Erscheinung 
auch wieder zerstört oder modifiziert; dass eine Musik, welche wir 
zu hören gezwungen sind, in schneidenden Gegensatz zu einer in uns 
vorhandenen Stimmung treten kann, oder dass umgekehrt unsere 
Empfindung durch das Ertönen einer derselben adäquaten Musik an- 
genehm getroffen wird. Die Musik kann also Empfindungen wecken;
        

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