Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376254
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VERBINDUNG 
DER 
MUSIK 
MIT 
ANDEREN 
KUNSTAIYIEN. 
das Verhältnis nicht klar gemacht. Denn obgleich er keineswegs die 
musikalische Komposition von Gedichten überhaupt verwirft, wie 
v. Kirchmann, weil diese Konsequenz seinen Zwecken wenig förderlich 
wäre, sind seine Ansichten doch derartige, dass er zu derselben ge- 
langen müsste. Er bezeichnet das "Musikalisch-Schöne" als „tönend 
bewegte F ormen," an welchen jeweils eine zusammenhängende 
Einheit zeitlich angeschaut wird. Es steht fest, dass eine zusammen- 
hängende Gedankeneinheit damit nicht zugleich verfolgt werden kannß) 
Die Musik findet nach dem Gesagten keine andere Analogie in 
der gesamten Kunst, als die Fortbewegung einer Arabeske; aber 
diese Analogie trifft durchaus zu. Man kann ein musikalisches 
Thema der beschriebenen Art in einer Arabeske graphisch darstellen 
und zwar erschöpfend. Köstlin (bei Vischer  749, Abs. 3) hat an 
der Hanslicläschen Ansicht auszustellem- dass dieser die Form der 
Musik zum Inhalt und dann wieder diesen Inhalt zur Form mache. 
Und dies muss der Fall sein, wenn Hanslick behauptet, es gebe auch 
nach seiner Auffassung "musikalische Ideen," welche sich von der 
blossen Form unterscheiden (S. 190-193). Das Beispiel der Arabeske 
beweist aber, dass eine blosse Form sehr wohl der Inhalt eines Kunst- 
werks sein kann. Auch ist es keine Frage, dass die Werke der 
Musik, ob sie von zusammenhängenden Worten begleitet werden oder 
nicht, ganz allein auf die bloss formale Einheit hin betrachtet werden 
können. 
Es würdetzur Bejahung der Frage, 0b die Musik mit Rede ver- 
bunden werden kann, genügen, wenn ihre Werke nur nicht gerade so 
betrachtet werden müssten, wie Hanslick will, wenn sie nur noch 
eine andere Betrachtung zuliessen. Ich gestehe jedoch, dass ich von 
der Einheit der Musikstücke überhaupt keine hohe Meinung habe. Ich 
verstehe unter dieser Einheit den thematischen Zusammenhang, wie er 
z. B. im Symphoniesatz angestrebt ist. Der Symphoniesatz darf aber 
I) Die formale Einheit wird nach Hanslick beispielsweise in der Prometheus- 
Ouvertüre von BCEÜIOVEII S0 angeschaut und genossen: „Vor dem geistigen Sinn des 
Hörers erbaut sich in der Melodie die Symmetrie zwischen dem I. und 2. Takte, 
dann dieser beiden Takte zu den zwei folgenden, endlich der vier ersten Takte als 
eines grossen Bogens gegen den gleich grossen korrespondierenden der folgenden 
vier Takte. Der den Rhythmus markierende Bass bezeichnet den Anfang der ersten 
drei Takte mit je einem Schlag, den vierten mit zwei Schlägen; in gleicher YVeise 
bei den folgenden vier Takten. Die Harmonie in dem Thema zeigt uns wieder 
das Korrespondieren eines grossen und zweier kleinen Bogen: dem C-dur-Dreiklang 
in den vier ersten Takten entspricht der Sekundakkord im fünften und sechsten, 
dann der Quintsextakkord im siebenten und achten Takt."
        

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