Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376191
134 
DIE 
N ACHAHMEND EN 
KÜNSTE. 
werfliche Absicht wird doch wohl nur dann erkennbar werden, wenn 
sich entweder offenbarer Prunk zwecklos verdrängt, oder wenn die 
Schönheit der äusseren Erscheinung mit dem dargestellten Inhalt selbst 
in wirklichen Widerspruch tritt. Vom Standpunkt der bloss realisti- 
schen Landschaftsmalerei aus wird sich ohnehin jede Dekoration als 
Kunstwerk der Malerei darstellen müssen. Die Schönheit der Land- 
schaft aber werden wir gerne in Kauf nehmen, wenn sie dem Drama 
nicht zuwiderläuft. Ebensowenig können wir gegen eine künstlerisch 
geschmackvolle Komposition der Kostüme etwas stichhaltiges vor- 
bringen, wenn dieselbe nicht etwa mit dem Charakter der Träger 
unvereinbar ist. Eine Heldin wird nicht gerade hässlich sein müssen, 
wenn ihre Schönheit nicht aus dem Drama hervorgeht. Nur wir 
sollen uns durch eine solche Annehmlichkeit nicht von der Sache 
abziehen lassen. Wenn wir jedoch einen ästhetischen Massstab, der 
für alle Fälle genügt, in der absoluten Realität der Erscheinung des- 
selben gefunden haben, so fordert nunmehr das ideale Drama mög- 
lichste Idealität der gesamten Erscheinung. Daher wird dieses letz- 
tere aus der Idealität seines Inhalts heraus thatsächlich zum eigent- 
lichen Gesamtkunstwerk werden können. Der Gegenstand ist dabei 
doch immer derselbe, einzig denkbare geblieben: die Totalerscheinung 
einer Begebenheit. Der materialistischen Tendenz auf Häufung mög- 
lichst vieler Sinneseindrücke liegt der Anspruch, dass alles und jedes, 
was in einer komplizierten Kunsterscheinung vorkommt, den höchsten 
Anforderungen derjenigen Kunstart genüge, welcher es angehört, ge- 
racle entgegengesetzt. Nur dieser Anspruch aber ist es, den wir mit 
dem Begriff des Gesamtkunstwerks gemeinhin verbinden. Übrigens 
stellt die Kunst überhaupt an jedes Kunstwerk bei gesunder Auffassung 
die idealistische Forderung, dass uns Schönes geboten werde, wo nicht 
ein Hässliches positiv begründet ist. In vielen Fällen wird es eine 
unnütze und verwerfliche Spielerei sein, wenn beim Aktschluss durch 
Stellung eines lebenden Bildes in das Gebiet der bildenden Künste 
hinübergegriffen wird. Allein es kann ja vorkommen, dass die Hand- 
lung des Dramas selbst grosse, festlich bewegte Versammlungen 
von der Tragödie verlangen, sondern die ihr eigentümliche." Er wendet sich damit 
gegen die Tendenz des Dramas, als Ausstattungsstück zu wirken. Wie gerechtfertigt 
{dies ist, bedarf keiner Ausführung. Die Unzulässigkeit eines Gesamtkunstwerks 
kann aber daraus nicht gefolgert werden, sondern eben nur soviel, dass auch im 
Gesamtkunstwerk die Handlung und ihre YVirkirng das Ziel ist, welches nicht durch 
Effekte überwuchert werden darf, welche mit dem Zus-tandekoinixren desselben nichts 
zu thun haben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.