Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376184
DRAMA 
UND 
DICHTKUNST. 
133 
Wenn z. B. Adie Gewänder der Darsteller der Idee entsprechen, so 
hat darum nicht etwa die bildende Kunst im Drama mitgewirkt; wohl 
aber dann, wenn diese Gewänder für sich und bei ihrer Zusammen- 
Stellung mit anderen malerisch schön wirken. Werden die bilden- 
den Künste in solcher Weise herangezogen, um eine schöne räumliche 
Erscheinung im Drama zu erzeugen, so sind zwei Fälle möglich: ent- 
Weder liegt im Drama selbst keine Veranlassung hierzu, oder die 
künstlerischen Leistungen nichtdramatischer Art sind durch den Inhalt 
des Dramas erfordert. 
Letzterenfalls kann ein Zweifel über ihre Berechtigung nicht ob- 
walten, da wir es wieder mit der blossen Realisierung des Dramas zu 
thun haben. Es ist unthunlich, eine geradezu hässliche Schauspielerin 
auftreten zu lassen, während der Verlauf der Handlung durch die be- 
strickende Schönheit der Heldin motiviert ist. Bereits im Auftreten 
der schönen Heldin aber muss man einen Effekt der bildenden Kunst 
erblicken. Dasselbe ist weiterhin der Fall, wenn der Darstellerin einer 
idealen Heldin, wie der Iphigenie oder der Walküre, die klassischen 
Formen der Bewegung eigen sind, welche sich in unserer Vorstellung 
mit dem Wesen einer solchen verknüpfen. Und ist mit dem Wesen 
einer historischen Person die Vorstellung eines Vornehmen Reichtums 
oder eines feinen Geschmacks verknüpft, so wird die Komposition 
ihres Gewandes zu einer entsprechenden malerischen Leistung werden 
müssen. Wenn endlich der Sprecher auf der Bühne die Schönheit 
der gegenwärtigen Landschaft feiert, so wird diese Landschaft ein 
ideales Kunstwerk der Landschaftsmalerei sein sollen. Über dies alles 
braucht kaum ein Wort verloren zu werden. Das absolute Mass der 
Verwendung begleitender Kunstarten im Drama ist darin zu finden, 
dass die positive Erscheinung des Äusseren der Verneinung ihres 
Mangels gleichkommt. So ergeben sich aus unserer Auffassung vom 
Gegenstand des Dramas die Regeln für jede dabei beteiligte Kunst- 
thätigkeit ganz von selbst. Der scenische Schein der Dekorationen 
setzt diewVertilgung des Stotflichen der zur Nachahmung benutzten 
Materie voraus, sodass die Szene im Rahmen der Bühne steht wie 
ein Bild mit beweglichem Inhalt, wie wir dies oben schon auseinander- 
gesetzt haben. 
Ein anderes Gesamtkunstwerk erkennen wir prinzipiell überhaupt 
nicht an. Es wäre nun aber doch eine puritanische Übertreibung, 
wenn wir alle und jede Schönheit, Welche nicht aus dem Text un- 
mittelbar hervorgeht, aus dem Drama verbannen wollten. I) Eine ver- 
I) Im 
Kap 
sagt Aristoteles: 
Poetik 
soll man 
und jede Lust 
„Nicht alle
        

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