Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376033
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DIE 
NACHAHMENDEN 
K ÜNSTE. 
Friesstil (Typus: Parthenonfries) darf bemalt werden rund ist jedenfalls 
der andern Gattung vorzuziehen?) 
„Lebende Bilder" sind eine zulässige Kunstgattung. Bei der 
hervorragenden Bedeutung des farbigen Kostüms für sie, und weil sie 
nur in einer einzigen Ansicht zu wirken pflegen, werden sie den Effekt 
der Malerei, nicht den der Skulptur, zu erzielen suchen. Dabei kommt 
wieder die Vertilgung des Stofflichen in Betracht, aber hier besonders 
auch in dem Sinn, dass man sich bewusst wird, die angeschaute Er- 
scheinung sei Kunst und nicht Natur. Es giebt ja Mittel, um die reine 
Bildwirkung zu erzielen; aber bei Dilettanten wird dieselbe gewöhn- 
lich nicht erreicht. Trahndorff verabscheute lebende Bilder noch über 
die bemalte Statue hinaus als „wirklichen Betrug". In der That 
stehen sie der "Wachsfigur" noch näher als die letzteren. Allein ent- 
weder werden wir überhaupt nicht getäuscht, indem wir vielmehr 
finden, Fräulein Schulze oder Herr Müller nehmen sich gut aus, oder 
die Bildwirkung ist in Wahrheit erzielt; man pflegt zu dem Ende 
zwischen Bild und Beschauern in Gestalt eines durchsichtigen Tüllvor- 
hangs eine Art von Projektionstläche zu errichten. In beiden Fällen 
erweist sich die Auffassung Trahndorffs als eine irrige. Im Übrigen 
sind lebende Bilder kein besonderer Gegenstand der Kunsttheorie, sie 
unterliegen vielmehr den Schönheitsgesetzen der Malerei. Dass sie, 
obgleich ihre Wirkung sich von derjenigen der Wachsfigur nur ver- 
möge der unmittelbar leichenhaften Erscheinung des Materials der 
letzteren unterscheidet, ein beliebter und liebenswürdiger Gegenstand 
geselliger Unterhaltung sind, kann nicht bestritten und sollte von 
den Gegnern der polychromen Skulptur als Thatsache beachtet werden. 
Mit Deklamationen verbunden haben sie den ästhetischen Wert der 
Illustration, jedoch mit Unterordnung des Gedichtes oder Liedes. 
I) Bei Reliefintarsien kommt eine besondere Schwierigkeit in Betracht. Ein 
höher entwickelter Formensinn wird nämlich auf die Verschwindung des Konturs 
ein Hauptgewicht legen, weil hierauf die körperliche Wirkung der Figuren beruht, 
indem sie ein Produkt der Rundheit der Körper ist. Bei farbig eingelegten Reliefen 
lässt sich nun aber diese Rundheit nach rückwärts nicht herstellen. Infolgedessen 
wird der Kontur hart und hölzern. Die Griechen haben denn auch ihre Reliefe, 
insbesondere an Metopen und Friesen, in den meisten Fällen als Dreiviertelsfiguren 
vor die Grundiiäche gestellt, wenn sie es nicht verzogen, frei gearbeitete Statuen zu 
dem gleichen Zweck zu verwenden. 
        

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