Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374862
EINLEITUNG. 
7;; AS Verhältnis der einzelnen Künste zu einander und zu 
den Endzwecken der Kunst pflegt ausgedrückt zu werden 
I  in einem System. Nicht als ob die eigentümliche Ver- 
Ä 42  schiedenheit einzelner Künste nicht für diese besonders 
aufgefunden werden könnte; durch die Gruppierung aller nach ihrer 
Verwandtschaft und Verschiedenheit lassen sich jedoch die Anwendungs- 
gebiete gewisser Kunstprinzipien in ihrem ganzen Umfang überschauen, 
und gegenseitig abgrenzen. Dadurch erhalten wir eine Grundlage der 
ästhetischen Untersuchung, auf welcher wir sicher sind, gewisse Fragen 
der Kunstübung nicht aus nebensächlichen oder einseitigenpGesichts- 
punkten, sondern aus dem Vollen und Ganzen zu beantworten. 
Ohne Zweifel lassen sich verschiedene Einteilungsgründe finden, 
nach welchen man die Künste gruppieren kann, und dass es einen 
vollkommen durchschlagenden, welcher der allein richtige wäre, geben 
müsse, ist keineswegs eine von vornherein ausgemachte Sache. Das 
aber muss unbedingt verlangt werden, dass die vorgenommene Ein- 
teilung der Künste in ihren Konsequenzen nirgends mit an und für 
sich offenbaren Thatsachen in Widerspruch trete. Die Grundlage von 
Folgerungen kann ein System nur insoweit bilden, als es empirische 
Thatsachen geordnet hat; es ermöglicht also nur Rückschlüsse, aber 
keine neue Erkenntnis bezüglich jener. Wenn demnach aus vorgefassten 
Begriffen der Künste irgend welche Regeln für das Verhalten derselben 
abgeleitet wurden, so war dies ein blosser Zirkel?) 
I) Fr. Vischer z. B. statuiert (Ästhetik S 608) einen „reinen Begriff der Bild. 
hauerkunst." Es giebt nun zwar freilich einen Begriff der reinen Thätigkeit des 
Bildhauers; es besteht auch eine specifisch plastische Schönheit. Allein, wenn man 
aus jenem Begriff die Unstatthaftigkeit der Bemalung von Bildwerken ableitet, so 
bedeutet dies ganz dasselbe, als wenn man die Unmöglichkeit der musikalischen 
Komposition eines Liedes damit begründen wollte, dass Lieder aus der Thätigkeit 
All. System der Künste. 1
        

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