Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376028
DIE 
BILDENDEN 
NACHAHMENDEN 
KÜNSTE. 
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Bemalung, weil sie schon durch die Form geben will, was Farbe geben 
sollte und allein geben kann. Entgegen der Ansicht vieler, welche 
glauben, dass erst durch die Bemalung der fehlerhafte Naturalismus in 
der Bildnerei die letzte Vollendung erhalte, würden seine Fehler viel- 
mehr gerade durch dieselbe viel leichter erkennbar, ja unerträglich 
werden.  Gerade die Monochromie der Skulptur begünstigt das 
Hervortreten von allerlei Manieren, wie beispielsweise ihre Geschichte 
von Giovanni da Bologna und Hubert Gerhard bis zu Bernini und 
Pigalle darthut. Solche Manieren lassen sich aber nur rechtfertigen, 
wenn sie im Bereich der natürlichen Möglichkeit bleiben, wie es z. B. 
bei Lysippos der Fall war, und bedingungsweise dann, wenn sie sich 
mit Klarheit unter den Gesichtspunkt eines besonderen architektonischen 
Stils bringen lassen. In letzterer Beziehung muss jedoch bemerkt 
werden, dass die Skulptur eine freie und selbständige Kunst ist, welche 
sich von keiner anderen Kunst etwas vorschreiben zu lassen braucht 
oder vorschreiben lassen darf. Wenn sie in ein Abhängigkeitsverhält- 
nis zur Architektur tritt, dann freilich muss sie sich dem F ormprinzip 
dieser letzteren anbequemen; aber der edelste Stil der Architektur 
dürfte derjenige sein, welcher die Skulptur in ihrer Freiheit zu ver- 
wenden vermag. 
Anders als die freistehenden farbigen Skulpturen nähern sich 
polychrorne Reliefe einer Verbindung der Malerei und 
Plastik an. 
Man kann unterscheiden zwischen perspektivischen Reliefen 
und Reliefen im F riesstil. Erstere sind mehrfach bekämpft worden. 
Gegen dieselben lässt sich jedenfalls einwenden, dass sie Kunst und 
Natur in bedenklicher Weise mischen, indem die realen Körper reale 
Schatten in das Bild werfen, welche mit dem beabsichtigten Schein 
in Widerspruch treten. jedoch ist dieser Umstand praktisch meist 
nicht sehr erheblich und wird durch Konvention leicht überwunden. 
Perspektivisch liegt kein Fehler vor, insofern diese Bilder die Betrach- 
tung von einem einzigen Standpunkt aus beanspruchen dürfen (Typus: 
die Thüren des Ghiberti am Baptisterium in Florenz). An Architek- 
turen ist ihre Verwendung unzulässig, wenn sie die Wandfläche durch- 
brechen (Hospital S. Marco in Venedig), ganz fehlerhaft an Friesen, 
deren struktive Symbolik sie vernichten. Eine Färbung des perspek- 
tivischen Reliefs ist nicht absolut ausgeschlossen; wohl aber jede An- 
deutung einer fixierten Lichtquelle durch Schatten. Das Relief im 
Carriere 
Vergl. 
Abs.
        

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