Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375970
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DIE 
NACHAH MIENDEN 
KÜNSTE. 
Benutzung eines Oberlichtes. Endlich verringert noch die kreisförmige 
Biegung der Bildfläche den perspektivischen Fehler bei wechselndem 
Standpunkt. Aber auch dieser Wechsel des Standpunktes ist beschränkt 
auf die geringe Ausdehnung der Plattform. Indem nun die Erschei- 
nung der Materie im Bilde vernichtet ist, kann dasselbe mit dem 
plastisch hergestellten Vordergrund anstandslos in Verbindung treten. 
Was das Verhalten des Panoramas zur Täuschung betrifft, so ist die 
Freiheit des Beschauers durch eine Reihe von äusseren Umständen 
garantiert. Bezüglich der Vollkommenheit der Nachahmung jedoch ist 
die Gattung der Panoramen darum prekär, weil das Ziel, die Malerei 
der Körperlichkeit des Vordergrundes genau anzupassen, häuüg nicht 
erreicht wird. Gelingt es ferner dem Maler nicht, seine Subjektivität, 
welche eine stilisierende Wirkung ausüben kann, völlig zu unterdrücken, 
so ergiebt sich wiederum eine Dissonanz zwischen dem- rein naturali- 
stischen Vordergrund und dem Bild (z. B. bei L. Braun, der jedoch 
durch dramatische Wirkung hervorragt). Prinzipiell ist jedoch gegen 
das Panorama nichts einzuwenden. Ich wüsste nicht, was man gegen 
Piglheins „Kreuzigung Christi" oder A. v. Werners und E. Brachts 
"Sedan" Stichhaltiges vorbringen könnte. Die Berechtigung von Dio- 
ramen ist nach den angeführten Gesichtspunkten zweifelhafter als die- 
jenige der Panoramen; diese Kunstweise ist ferner völlig zwecklos, da 
sie nicht mehr geben kann als das Tafelbild auch. 
Die Kulissenmalerei rechtfertigt sich aus derselben Thatsache 
der Vernichtung des Materiales gegenüber der Idee, wie das Pano- 
rama; und zwar in noch höherem Grade, weil sie die Verwendung vieler 
Flächen als Körper durch die Perspektive der Szene einheitlich durch- 
führt. Die Schlussdekoration liegt entweder in verhältnismässiger Ferne 
oder ist als Rückwand eines geschlossenen Raumes (Zimmers) von 
realer Geltung. Die Lichtquelle ist fixiert. Etwaige geringe Irreali- 
täten werden subjektiv ausgeglichen. 1) 
Die polychrome Skulptur ist überhaupt keine Verbindung 
von Malerei und Skulptur. Es scheint, dass weder v. Hartmann 
1) Es ist mit Rücksicht auf diese Thatsachen zwecklos, wenn v. Hartmann 
zwischen einem "zweidimensionalen malerischen" und einem „dreidimensionalen 
scenischen Schein" unterscheidet. Auch der malerische Schein ist, wenn erzielt, 
dreidimensional, nicht zweidimensional und will es immer sein; das Bild nur hat 
blos zwei Dimensionen, natürlich nicht mathematisch. Damit fallt auch Hartmanns 
Ansicht, als Wem! ZWiSChCII Palwrama. und Scene ein wesentlicher Unterschied be- 
stehe. Iedes "praktikable" Fenster, jede "praktikable" Thür auf der Szene ist allein 
ermöglicht und andererseits gedeckt durch die völlige Vernichtung des Materials zu 
Gunsten der Idee.
        

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