Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375963
BILDENDEN 
NACHAHMENDEN 
KÜNSTE. 
Aus diesen Gründen ist eine Verbindung von Tafelmalerei 
und Relief ästhetisch verwerflich. Eben deshalb können in der 
Architektur holzgetäfelte Zimmerdecken und Holztäfelungen durch 
Malerei nicht ersetzt werden, wenn man sich nicht auf blosse Intarsia- 
nachahmungen beschränkt. Denn wenn man in jenem Fall noch die 
Tagesbeleuchtung als durch die Fenster festgelegt ansehen wollte, was 
nicht zutrifft, so wird doch am Abend die Lichtquelle ins Zentrum 
des Zimmers verlegt und dadurch die ganze Realität der Dekoration 
hinfällig, während letztere hier kein Bild sein will, sondern ein Teil 
des realen Gebildes. Die Hässlichkeit dieser Lüge tritt dann klar zu- 
tage. Alle durch Malerei scheinbar erzeugte Plastik, ein gemaltes 
Relief u. dergl, ist unmöglich, sobald eine Verschiebung der Licht- 
quelle oder ein einigermassen erheblicher Wechsel des Standpunktes 
der Beschauer in Frage kommt. 
Anders liegt die Sache bei den modernen Schlachten-Panoramen 
(wenn man die Herstellung des Vordergrundes derselben als "Plastik" 
begreifen will). Dieselben gehen zuerst auf völlige Vernichtung des 
Stoffes gegenüber der Idee aus. Dies können sie, indem der geringe 
Rest von Materialität der Ölfarbe durch die Entfernung des Bildes 
vom Auge gehoben wird. Sodann fixieren sie die Lichtquelle durch 
einander auftretenden Figuren „parallelperspektiviseh," also in anderer Perspektive 
wie die Scenerie, darstellt. Die sich hieraus ergebenden Illusionsstörungen sind un- 
bedeutend, eigentlich nur beim Auftreten von Architekturen bemerkbar, und auch 
dann nicht, wenn der Augpunkt weit genug vom Bilde liegt, um es auf einmal über- 
schauen zu lassen. Die landschaftliche Scenerie ist weit unbestimmter in ihrem 
perspektivischen Verhältnis als die architektonische; Figurenbilder aber lassen sich 
entweder ohne eine Empfindung vom Schmalerwerden der äusseren Figuren zu- 
sammenfassen, oder sie beanspruchen selbst, wie z. B. der "Fürstenzug" in Dresden, 
als Fries aufgefasst und im Vorbeischreiten betrachtet zu werden. Beim Bildnis 
fehlt diese Illusionsstörung ganz. Die Geringfügigkeit derselben hebt jedoch theo- 
retisch den Umstand, dass die Tafelmalerei eine ganz eigentümliche Anschauungs- 
forrn für sich in Anspruch nehmen muss, nicht auf. Diese Anschauungsform aber 
ist notwendig eine in sich einheitliche und würde durch das Auftreten von Reliefen 
im Bilde völlig in Verwirrung gesetzt werden. 
Gerade aus der richtigen Feststellung dieses Sachverhalts ergiebt sich, dass 
Schinkel durchaus im Unrecht war, als er meinte, durch Anwendung einer einzigen 
grossen Schlusskulisse könne auf der Schaubühne sogar die physische Täuschung 
einer Ortsversetzung technisch erzwungen werden, was bei Anwendung von Seiten- 
kulissen niemals zu bewerkstelligen sei. Theoretisch ist dies weder im einen, noch 
im andern Falle möglich, praktisch viel eher bei Anwendung von Seitenkulissen als 
ohne dieselben. Thatsächlich sind heutzutage die Darstellungen des Räumlichen auf 
der Bühne so vorzüglich, dass kein Mensch eine Störung empfindet, wenn wir dort 
sogar reale Körper und Flachdarstellungen mischen.
        

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