Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375927
SCHEIN BARE 
VERBINDUNGEN. 
107 
kosmischen Gebildes und dem Gegenstand verzierender Bilder erfordert 
ist, soll später Platz finden. Einleuchtend muss keineswegs immer ein 
solcher Zusammenhang bestehen. I) 
In analoger Weise, wie die nachahmenden bildenden Künste in der 
Architektur, können in der künstlerischen Rede poetische Schöpfungen 
herangezogen werden. Als eine blosse Verzierung wird aber eine 
solche Heranziehung nicht gerade aufgefasst werden dürfen, wenn 
freilich auch dem Zitat aus einer Dichtung eine verzierende Eigenschaft 
nicht abzusprechen ist. 
Wenn nicht nachahmende Kunstwerke nachgeahmt werden, 
so liegt gleichfalls keine Verbindung vor. Die nicht nachahmenden 
Kunstwerke sind reale Weltgebilde und unterliegen als solche der 
nachahmenden Darstellung. Wird diese letztere vom Landschaftsmaler 
ausgeübt, so ist nur die objektive Möglichkeit der Existenz des Gebildes 
Voraussetzung und irgend welche stilistische etc. Korrektheit völlig 
gleichgültig. Wie wir im allgemeinen Teil dargelegt haben, geht der 
Maler aus auf eine malerisch schöne Gesamterscheinung der von ihm 
auf einer Tafel vereinigten Gegenstände; und diesem Zweck wird archi- 
tektonisches F lickwerk meist besser dienen, als ein organisch gedachter 
Palast. In der Historienmalerei wird allerdings auch die historische 
Möglichkeit der abgebildeten Gebäude mit Rücksicht auf die dar- 
gestellten Begebenheiten zu einer naturalistischen Voraussetzung und 
ebenso wird dies endlich in der szenischen Dekoration des historischen 
Dramas der Fall sein bezüglich der Handlung, welche sich in ihrem 
Bereiche abspielt. Die Frage, ob und wieweit diese Voraussetzung 
erfüllt sein muss, soll weiter unten ihre Erörterung finden. 
Wenn im Epos oder im Drama eine Rede verwertet wird, so 
darf diese Rede lediglich mit Rücksicht auf die Realität ihrer Er- 
scheinung im nachahmenden Kunstwerk beurteilt werden. So zeigt 
denn die Rede des Markus Antonius in Shakespeares ßlulius Cäsar" 
in der That wesentliche Eigenschaften der künstlerischen Rede. 
Aber im Drama kann ebensogut eine stümperhafte Rede Gegenstand 
der Darstellung und als solche schön sein, auch wenn oder vielmehr 
gerade weil sie allen Gesetzen der Redekunst ins _Gesicht schlägt. 
Hier liegt also ebensowenig eine Verbindung zweier Künste vor, wie 
bei der Überordnung nicht nachahmender Kunstwerke über nach- 
ahmende. Der ästhetische Gegenstand gehört in beiden Fällen dem 
Gebiet einer einzigen, der übergeordneten Kunst an. 
Kirchmann hat 
Ansicht ausgesprochen. 
diese
        

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