Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375873
BIÖGLICHKEIT 
DER 
VEREINIGUNG 
VERSCHIEDENER 
KÜNSTE. 
niessenden, wenn es in jeder Richtung zur Wirkung gelangen soll. 
Keinesfalls aber kann ein Grund vorliegen, dass wir die Schönheit der 
Raumerscheinung zurückweisen, wenn sie keine selbständige Betrach- 
tung beansprucht und nur in der Absicht, geschaffen ist, den all- 
gemeinen Eindruck nach keiner Seite hin gestörter Vollkommenheit hervor- 
zubringen. Man kann daher den Satz aufstellen, dass ein Gegen- 
stand in jeder Beziehung schön dargestellt werden darf, 
in welcher er überhaupt schön erscheinen kann; oder, bezüg- 
lich der Kunstarten: dass ein Zusammenwirken verschiedener Künste 
auch mit Rücksicht auf ihre eigentümliche Schönheit möglich ist, wenn 
jede derselben sich an die ihr zugängliche Seite eines und desselben 
Gegenstandes hält. Bei der praktischen Anwendung dieses Satzes im 
einzelnen Fall muss man sich aber selbstverständlich der Bedingungen 
bewusst bleiben, unter welchen wir ihn hergeleitet habenß) 
Zwei verschiedene zeitliche Einheiten lassen sich niemals 
im Geiste zusammen auffassen. Wenn und insofern also einegeistige 
Einheit der Musikstücke betrachtet wird, so verhält es sich gerade wie bei 
einem Gedicht. Und wenn die Musikstücke stets formale Gebilde sind 
und daraufhin betrachtet werden müssen, (nach Art einer bandförmigen 
Arabeske), so sind sie in jedem Fall etwas andres, als ein Gedanken- 
gang; dann lassen sich also ein Musikstück und ein Gedicht über- 
haupt niemals zusammen geniessen, weil selbst unter der Voraus- 
setzung eines fortwährenden Alternierens von Teileindrücken (nach 
dem Schema. abababab     eine Zusammenfassung der Teile zu 
ihrer Einheit (aaa   bbb   auch durch das Gedächtnis nicht mög- 
lich ist. 
Dagegen ist hier noch zweierlei möglich.  Ein blos sinnlicher 
zeitlicher Eindruck beansprucht keine geistige Zusammenfassung und 
kann empfunden werden, während andre Sinne und der Geist gleich- 
zeitig thätig sind. Wenn und insoweit also abgesehen von einer for- 
malen Einheit der Musikstücke ein blosser Sinneneindruck derselben 
erfolgen kann, ermöglichen sie auch einen neben dem Anhören eines 
Gedichtes hergehenden Genuss. Sodann aber gibt es vielleicht doch 
irgend eine Seite des Gegenstandes des Gedichtes, welche auch musi- 
I) E. v. Hartmann drückt diesen Satz (a. a. O. S. 568) in seiner YVeise so aus; 
„NVarum soll nicht derselbe ideale Gehalt durch Ohrenschein, Augenschein und 
Phantasieschein zugleich verwirklicht werden können, wenn jede Art des ästhetischen 
Scheins sich an die ihr zugängliche Seite des idealen Inhalts hält?" Dies ist voll- 
kommen richtig; übrigens aber ist, wie wir gesehen haben, die Sache durchaus 
nicht so einfach, wie sie sich hiernach ansieht, namentlich bezüglich des "Ohren- 
Scheins."
        

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