Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375869
DIE 
MÖGLICHKEIT 
DER 
VEREINIGUNG 
VERSCHIEDENER 
KÜNSTE. 
IOI 
durch ihre ästhetische Beziehung verschiedene Gegen- 
stände, und die Schönheit der körperlichen Erscheinung kann, wenn 
wir dem Zusammenhang einer Handlung oder eines Gedankengangs 
zu folgen haben, offenbar nur erfasst werden, indem eine Unterbrechung 
dieses Zusammenhangs eintritt, d. h. wenn die Eindrücke abwechselnd 
in unser Bewusstsein treten können. Die Einheit eines Gedichts z. B. 
ruht in seinem Gedankengang. Daher kann der Erscheinung eines 
"Bilds, welches vor unsern Augen steht, während wir dem Zusammen- 
hang der Gedanken wirklich folgen, keine_ wahre Aufmerksamkeit ge- 
widmet werden. Allein der Gedankengang muss in Worten ausge- 
sprochen und durch das Ohr aufgefasst werden; und der Zusammenhang 
der Momente dieser zeitlichen Erscheinung ist nun allerdings in keinem 
Fall ein so enger, dass nicht nebenbei in längeren oder kürzeren 
Zwischenräumen auch das Auge thätig werden könnte; wenige und 
kurze Augenblicke aber genügen, um das räumliche Bild aufzufassen, 
und zwar umsomehr, je unbewegter das Bild vor uns steht und je un- 
gestörter das Auge seine Betrachtung fortsetzen kann, nachdem sie 
durch die Thätigkeit des Ohrs und eine anderweite Thätigkeit des 
Geistes unterbrochen wurde. Letzteres ist namentlich der Fall bei 
der feststehenden Umgebung einer Szene, bei der Theaterdekoration. 
Wenn endlich wirkliche Pausen in der Handlung oder Rede vorkom- 
men, so kann über die Möglichkeit der Auffassung des räumlichen 
Bildes kein Zweifel obwalten. Eine wahre Einheit kommt aber erst 
zu Stande, wenn die räumliche Erscheinung mit dem Gedankengang 
der Handlung zusammentrifft, z. B. wenn der Sprecher auf der Bühne 
die Schönheit der gegenwärtigen Landschaft feiert und womöglich in 
ihren wesentlichen Punkten beschreibt. 
Damit haben wir die eigentliche Schwierigkeit des Gesamtkunst- 
werkes erst bezeichnet. Wenngleich eine räumliche Erscheinung sich 
in einem einzigen Augenblick" auffassen lässt, so kann diese Art der 
Betrachtung, an welche man bei der Verfolgung eines ununterbroche- 
nen Gedankenzusammenhangs gewiesen ist, dem selbständigen Wert 
eines Bildes doch nicht vollkommen entsprechen. S0 erklärt es sich, 
dass von der räumlichen Schönheit nur ein mehr oder weniger all- 
gemeiner und undeutlicher Eindruck gewonnen wird, es sei denn, dass 
man seine Aufmerksamkeit vom ZuSammenhang der Handlung ganz 
abwendet. Der Eindruck wird natürlich ein umso deutlicherer sein, 
je geübter derjenige, welcher ihn erhält, in der Auffassung dieses 
Schönen ist. Die subjektivillterfassung des Beschauers spielt Valsp 
hier auch jQäÄElllC, und das Gesamtmstvväknifördert naturgemäss 
eine nach jeder Seite hin vollständige ästhetische Fähigkeit der Ge-
        

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