Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375837
DIE 
MÖGLICHKEIT 
DER 
VEREINIGUNG 
VERSCHIEDENER 
KÜNSTE. 
Künste zur Vereinigung nur symbolisch gesprochen wurde; allein man 
liess sich durch jene Redensart von der allein in Betracht kommen- 
den Thatsache abziehen und zu- falschen Consequenzen verleiten. Der 
Wunsch, mehrere Künste zu gleichzeitiger Wirkung vereinigt zu sehen, 
kann aber entweder begründet sein in dem Drang nach möglichst 
 Kunsterscheinungen oder darin, dass irgend ein 
Ndjrrzustvellender Gegenätand die Veranlassung dazu giebt, 
ÄIJ-Qßgäliiieinegliünstartp allein den Gegenstand objektiv nicht vollständig 
lQlZQSQCllCQ vermag. Hier bemisst sich aus nachgeahmten Erscheinungen, 
ob zu deren Nachahmung eine einzige Kunstart genügt oder ob dazu 
mehrere vereinigt werden müssen. Ob mehrere vereinigt werden 
dürfenbdas bemisst sich dann nicht aus einem gefassten Begriff der 
_Kt_inste_, sondern lediglich daraus, ob sie überhaupt zusammenwirken 
können. Denn einen Genuss der Künste giebt es nicht; sie existieren 
nur mit Rücksicht auf darzustellende Gegenstände. Daher können die 
Kunstarten von sich aus keine gesonderte Existenz beanspruchen. 
Ebendeshalb ist es aber auch von vornherein wahrscheinlich, dass eine 
.V?rveinigung von Künsten keinen vernünftigen Sinn hat, wenn nicht 
gließßaranlassung dazu in einer zu "realisierenden Vorstellung gegeben ist. 
Ist es überhaupt möglich, verschiedene Künste zu gleichzeitiger 
Wirkung zu vereinigen? Diese Frage entscheidet sich in erster Linie 
nach dem Gesetz, dass gleichzeitig, d. h. in einem und demselben 
Augenblick, nur ein einziger Gegenstand angeschaut werden kann. 
Der menschliche Geist ist unfähig, gleichzeitig zwei verschiedene Vor- 
stellungen zu produzieren. Dies ist offenbar ein physiologisches Gesetz 
des Denkens, dessen Bethätigungen wir aber natürlich ohne Hülfe der 
Physiologie an uns erfahren können. In dem physiologischen Gesetz 
muss der Grund des ästhetischen Gesetzes der Einheit der Kunst- 
gyirlge gesehen werden, oder vielmehr beide fallen zusammen, sind 
ein und dasselbe. Die Einheit ist eine notwendige und vielleicht die 
wichtigste Eigenschaft der "Idee" des Kunstwerks. Dieses Grund- 
355er; aller Kunst beherrscht den Kunstgegenstand materiell und 
formell. Materiell äussert es sich darin, dass auch bei einer Ver-t 
einigung mehrerer .K.iinste dem Betrachter deshalb nicht zwei Vor- 
stellungen oder Aufmerksamkeiten zugemutet werden können. Dies 
ist genau so unmöglich wie die ganz gleichzeitige Führung zwei ver- 
schiedener Gespräche. Formell wirkt es darin, dass, wenn ein äusseres 
Gestaltungsprinzip (Stil) auftritt, dasselbe sich einheitlich über den 
ganzen Gegenstand erstrecken muss. 
Die Einheit eines zeitlichen Gegenstands, wie z. B. eines Ge- 
dankengangs, kann jedoch unterbrochen, und es kann während dieser
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.