Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375816
IV. DIE EINHEIT DES KUNSTWERKS UND DIE 
MÖGLICHKEIT DER VEREINIGUNG VERSCHIEDENER 
KÜNSTE. 
q V IR haben die Behauptung aufgestellt, dass Nachahmung der 
 Ä Ausgangspunkt und das eigentümliche, unterscheidende 
" "Y Merkmal derjenigen Künste sei, welchen wir den ent- 
sprechenden Namen der "nachahmenden" beilegten. Diese 
Behauptung hat sich, wie ich denke, bis jetzt nirgends als un- 
zutreffend erwiesen. Es zeigt sich, dass auch die Frage, welche wir 
nunmehr zum Gegenstand einer Untersuchung machen wollen und 
welche heute im Vordergrund der ästhetischen Interessen steht, auf 
anderer Grundlage nicht befriedigend gelöst werden kann. Übrigens 
hängt dieselbe naturgemäss mit der Aufstellung eines Systems der 
Künste unmittelbar zusammen. Denn die Vereinigung der Künste ist 
die Kehrseite ihrer Teilung. 
Das Problem, ob und inwiefern es unter Wahrung der natürlichen 
Grenzen der einzelnen Kunstarten möglich sei, sie wenigstens zu gleich- 
zeitiger Wirkung zu vereinigen, tauchte naturgemäss sogleich auf, nach- 
dem Lessing diese Grenzen bestimmt hatte. Denn es erschien wün- 
schenswert, für die notwendige Beschränkung der Einzelkünste einen 
Ausgleich zu finden. Wie aus einem Fragment zum Laokoon (I5) 
hervorgeht, hat schon Lessing selbst die Frage aufgeworfen. Ebenso 
Kant (Kritik der ästhetischen Urteilskraft S 52). Die nachfolgenden 
Ästhetiker, welche sie zu beantworten versuchten, haben das Ver- 
hältnis immer so dargestellt, als wenn den Künsten selbst ein Drang 
zur Vereinigung innewohnef) Es giebt jedoch kein Verlangen und 
I) Für Fr. Vischer "handelt es sich gar nicht mehr um einen Beweis des 
Satzes, dass die Künste die Strahlen einer Sonne sind." Daher „fehlt jeder Kunst 
etwas," „weil sie nur ein Teil des Ganzen ist." Dagegen verhalten sie sich sub- 
jektiv „wie Komplementärfarben." Die Phantasie produziert komplementär in anderen
        

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