Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375780
MANIER 
UND 
VIRTU OSITÄT. 
Eigentümlichkeit besonderen Wert legt, ohne sich klar zu machen, 0b 
diese Eigentümlichkeit gerade der Manier oder der Auffassung der 
Natur oder dem gewählten Vorwurf angehört. Über Manieren im 
eigentlichen Sinne des Worts dürfte kaum so sehr gestritten werden, 
als es häuüg der Fall ist. Denn es steht so ziemlich ausser Zweifel, 
dass eine Veränderung der natürlichen Erscheinungen durch die Ma- 
nier im Bereich der nachahmenden Künste niemals beabsichtigt wurde 
und wird, dass demnach eine solche Veränderung von vornherein als 
ein Verstoss und keineswegs als eine schätzenswerte Äusserung der 
Individualität des Künstlers aufzufassen ist. Ferner beschäftigen wir 
uns bei der Frage nach der Manier nicht mit dem Gegenstand und 
Inhalt des Dargestellten, auch nicht mit der Schönheit der Darstellung, 
welches doch die Hauptsachen sind, sondern eben nur mit einer 
Eigentümlichkeit der Darstellungsweise. Wenn eine neue Subjektivität 
auftaucht, so handelt es sich meistens darum, ob ihre Naturauffassung 
eine mögliche, ob sie wirklich eine wahre ist, oder nicht; und ersteren- 
falls ist sie einfach berechtigt, und zwar gleichberechtigt mit allen an- 
deren bekannten Darstellungsweisen, letzternfalls dagegen nicht, sei sie 
nun eine neue, neueste oder eine der älteren. So hat man sich z. B. 
bei der ästhetischen Prüfung der Eigentümlichkeit der impressionisti- 
schen Malerei allein darauf zu richten, 0b dieselbe in der That die 
Natur unter den von ihr gewählten Bedingungen richtig wiedergiebt 
oder nicht. Eine neue Technik der Impressionisten aber kann es nicht 
mehr geben und man hat, ob man nun von ihrem "Stil" oder von 
ihrer "Manier" spricht, damit lediglich ihre besondere Naturauffassung 
bezeichnet. Über den ideellen Gehalt ihrer Werke ist damit noch 
gar nichts gesagt; derselbe könnte bei gleicher Manier ebensogut ein 
hoher und idealer sein, wie er jetzt nach dem Vorgang der Franzosen 
ein niedriger zu sein pflegt. I) 
1) Man muss bei der Beurteilung einer Kunstleistung das Urteil aus dem Ge- 
sichtspunkt der Realität und dasjenige aus dem Gesichtspunkt der Idealität ausein- 
anclerhalten, wenn nicht Konfusion entstehen soll. WVas die Naturauffassung der 
Freilichtmaler anlangt, so halte ich dieselbe im Ganzen für eine irrtümliche, weil 
sie eine physiologische Thatsache nicht berücksichtigt, welche, sei es instinktiv oder 
bewusst, früher stets Berücksichtigung gefunden hatte. Die Malerei ist nämlich 
häufig nicht im Stande, die Helligkeitsunterschiecle, welche die darzustellenden Dinge 
zeigen, als solche wiederzugeben, so namentlich bei Metallreflexen, hell beschienenen 
Blättern u. dergl. Sie muss sich deshalb durch eine gewisse Veränderung der Farben 
in Licht und Schatten helfen, wodurch sie wenigstens den entsprechenden subjektiven 
Eindruck erzielen kann (vergl. hierüber Brücke a. a. O. S. 29). YVenn man statt 
dessen die Teile der objektiven Erscheinung in ihrem natürlichen Lichteffekt neben-
        

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