Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375777
DER 
STIL. 
Eine Veränderung der- Bedingungen der Klassizität wird keine 
Zeit und keine Individualität jemals bewirken. An uns aber ist es, 
denselben die vermehrte Fülle der Erscheinungen anzupassen, welche 
unsere Zeit dem Künstler zur Verarbeitung entgegenbringt. Was sie 
von der Antike durchaus unterscheidet und worin ihr grosser und für 
alle Zukunft entscheidender Fortschritt besteht, das ist ihr unbegrenzter 
Reichtum an Ideen, welche sie den verschiedensten Zeiten der Ge- 
schichte des Menschengeschlechts entnimmt. Anthropomorphe Götter 
kennen wir nicht; jedoch behalten die Kunstwerke, in welchen die 
Griechen ihre Götter dargestellt haben, für uns den Wert unüber- 
trefflicher Allegorien von typischen Charakteren des Menschen und 
einer Offenbarung der göttlichen Absicht in seiner Gestalt. 
MANIER 
UND 
VIRTUOSITÄT. 
Den Begriff der Manier haben wir bereits in seinem Zusammen- 
hang mit dem Stilbegriff festgestellt. 
Die charakteristischere Manier wird der Grenze des objektiv Unzu- 
treffenden näher stehen, "als die subjektiv weniger bestimmte. Gewisse 
berühmte Realisten stehen derselben näher als andere Meister. Dann 
besteht ganz das analoge Verhältnis, welches wir an der spätgotischen 
Skulptur im Verhältnis zur romanischen gefunden haben. Bei einem 
störenden Überwiegen der Subjektivität in der Darstellung giebt man 
dem Wort Manier einen tadelnden Sinn und spricht von nmanieriert." 
Es ist aber sicher, dass selbst bei den bedeutendsten Künstlern eine 
allmähliche Annäherung an die Grenze des Zulässigen, ja eine Über- 
schreitung derselben stattfindet, wie es z. B. bei dem alternden Goethe 
der Fall war. Dem Meister sehen wir es jedoch gerne nach, wenn 
seine Werke auch einmal Absonderlichkeiten zeigen. 
Man verwendet das Wort Manier mitunter statt des Wortes Stil 
(im subjektiven Sinn), indem man auf die Erscheinung einer subjektiven 
Ausführung, dass sie historisch und in sich selbst falsch sei, weil die Antike sich 
ebensowohl der Malerei als der Plastik bediente und weil beide lediglich verschie- 
dene Darstellungsformen desselben Inhalts seien. Und dabei ist kaum anzunehmen, 
dass Rinnohr die antike Plastik schon als farbig ansah. Dass die Malerei für unser 
Bedürfnis nach inhaltlich reicheren Darstellungen praktisch brauchbarer und inso- 
fern moderner ist, als die Plastik, wird nicht in Abrede gestellt.
        

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