Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375762
N ACHAHMUN G 
UND 
STIL ; 
MEISTERSCHAFT; 
KLASSIZITÄT. 
der sog. klassischen Zeitperiode im Ganzen hierauf weniger ausging, 
als diejenige des Mittelalters, und dass das letztere sich nicht gescheut 
hat, eine grosse seelische Schönheit in erbärmlichen Gestalten zum 
Ausdruck zu bringen. Allein entweder würde die Schönheit der 
äusseren Erscheinung in diesen konkreten Gegenständen unwahr und 
widerlich wirken, oder es waren künstlerisches Unvermögen und Mangel 
an Kultur, welche das hässliche Äussere bedingten. Es giebt kein 
mittelalterliches oder romantisches Kunstwerk, welches in die Inner- 
lichkeit seines Gegenstands tiefer eingedrungen wäre, als die Niobe 
des Skopas und die Antigene oder die Eumeniden des Sophokles. 
Hegel sagt einmal, der Grundton des Romantischen sei lyrisch oder 
musikalischf) er erblickt überhaupt das Unterscheidende desselben in 
dem Verwalten der Subjektivität; dann aber wäre die antike Lyrik 
und ein guter Teil des antiken Dramas ebenfalls romantisch. Denn 
eine in anderm Sinn als die Lyrik subjektive Kunst giebt es gar nicht. 
In Wahrheit, es ist mit dem Begriff des Romantischen ästhetisch nichts 
anzufangen, und deswegen ist er auch für die historische Einteilung 
von zweifelhaftem Wert. 2) 
i) Vergl. Hegel, ßtllstlletlk" n, s. 134, S. 120 m, 1, s. III u. 
2) Ich glaube, man hätte demselben gegenüber dem Klassischen keine sogrosse 
Bedeutung eingeräumt, wenn nicht zu der Zeit seiner Entstehung tmsere Vorstellung 
vom klassischen Altertum eine ziemlich öde gewesen wäre. Da gab sich denn die 
Kunst des Mittelalters als ein voller Gegensatz, dessen Farbenreichtum der Formen- 
schönheit der Antike beim umgekehrten Mangel beider das Gleichgewicht hielt, und 
war der Boden geschaffen für die Annahme des berühmten dialektischen Prozesses 
der Geschichte. YVie Hegel denselben tiefer zu begründen versuchte, haben wir 
im Text berührt. Nun kann man doch nicht sagen, Hegel habe die Antike bedeu- 
tend überschätzt, wie v. Hartmann thut, wenn dieser in der Romantik einen "dialek- 
tischen Fortschritt" sieht. Es liegt beinahe näher, ihm das Verschulden am unfreien 
Eklektizismus unserer Zeit beizumessen, eben wegen der Statuierung jenes Prozesses, 
eben weil er nach v. I-Iartmann das Verdienst hat, in den Ideen nicht mehr starre, 
wandellose Schemen zu sehen. Indessen hebt sich bei Hegel beides auf. Der unfreie 
Eklektizismus aber ist hervorgegangen aus einem lethargischen Gefühl der Hülf- 
losigkeit gegenüber dem gespenstischen Nebel, welchen der Subjektivismus, die wider- 
logische Dialektik und die Romantik in unheilvollem Bunde erzeugt haben. 
Geradezu unglaublich klingt es, dass Hegel auf den Begriff des Romantischen 
eine systematische Einteilung der Künste gegründet hat, indem er (I, S. 103 1T- und 
II, S. 252 ff.) der Architektur als der "symbolischen" und der "Skulptur" als 
"klassischer" Kunst Malerei, Musik und Poesie zusammen als "romantische Künste" 
gegenüberstellte. YVelche Verwirrung der Begriff "klassisch" anrichten müsste, wenn 
man dieses System annehmen wollte, bedarf keiner Ausführung. Die "Antithese, 
dass die Malerey den neueren und christlichen Zeiten, die Bildnerey hingegen der 
antiken Bildung angehöre", bekämpft Rumohr (a. a. O. II, S. 408) mit der treffenden
        

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