Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374489
der Vergeltung" hingewiesen, womit nach Aeschylos „Zeus Adler die Atriden 
nach Troja gesandt hat" (Agam. 110 112). Vgl. Anmerkung G4. 
5" S. 53. Auf die strafende Gerechtigkeit des Zeus, ßotpiääwtog Atö; notvv] 
(Choeph. 923 f), die auch das wahrhaftige Kind des Zeus genannt wird, erzeuge; 
Atbg xöpa (Choeph. 936-939; vgl. Soph. Oedip. Col. 1382, Platon Gesetze IV, 
p. 916a) ist in der Oresteia des Aeschylos die gesamte trilogische Entwickelung 
der Handlung zurückgeführt, nämlich 1. der Untergang der Priamiden (Agam. 
108- 112, Choeph. 923. 936-940); 2. der Tod Agamemnons, wovon Zeus 
notvotiuog und nowepye-cng heißt (Agam. 1454);  der Muttermord der Klytarn- 
nestra, welchen nach Zeus Willen, Atöilsv, die Moiren durch Orestes vollziehen 
(Choeph. 303. 242. 377-380. 390. 775). Wie in der Oresteia alles vom Straf- 
gericht des Zeus abhängig gemacht wird, so ist das entscheidende Moment im 
zweiten Bild des Cornelius, das den Kampf um Patroklos Leichnam darstellt, 
nicht, wie Homer erzählt (I1. XVIII, 203-229), die drohende Erscheinung 
des von göttlichem Lichtglanz umstrahlten Achilleus, sondern der Blitze-froh? 
des Zeus, den Pallas Athena gegen die siegreich vordringenden Troer schleudert. 
Je mehr in diesem Punkte und zwar nur in diesem Hauptpunkte, Cornelius 
von der hochpoetischen Erzählung Homers geflissentlich abweicht, um so mehr 
nähert er sich durch seine eigene Erfindung dem ethischen Geiste der aschyleischen 
Anschauung, deren Schwerpunkt das Vergeltungssystem des Zeus ist. Ferner 
bezeichnet er in der den Blitz des Zeus schleudernden Pallas nicht die Göttin 
des Volksglaubens, sondern das Organ jenes unbekannten Gottes, den zwar 
Aeschyrlos in herkömmlicher Weise zunächst den höchsten Gott Zeus nennt, 
aber sich in Wahrheit über jeden Vergleichungspunkt erhaben denkt (Agam. 
149-155). Durch diese monotheistische Theokrasie von PaZZzts-Zczts- wird von 
hier aus, d. h. von dem Mittelbild der dritten Reihe, ein Licht zurückgewoifen 
auf das Mittelbild in der dritten Reihe des Götter-Saales; denn durch sie wird 
die Vermutung bestätigt, der von Poseidon abgewendete Sänger Arion weise, 
da der wahre Gegenstand des religiösen Gefühls und Gesanges, wozu die ganze 
Situation ihn anregt, nicht Poseidon sein kann, an welchen doch der dem 
Arion selbst beigelegte Hymnus gerichtet ist,  gleichfalls auf jenen unbe- 
kannten, zunächst Zeus genannten Gott hin, dessen rein monotheistischen 
Charakter kein andrer griechischer Dichter entschiedener ausgesprochen hat 
als Aeschylos, und zwar in demselben Chorgesang der Oresteia, auf welchen 
hier Cornelius überall so deutlich anspielt, als es ihm nur die Grenzen seiner 
Kunst gestatten. 
 S. 54. Pindar, Pyth. V, 61-63. 
61 S. 54. Il. I, 216-221. XXIV, 133-140. 558-569. 
B" S. 55. Als den gerechten Vergelter nennt Aeschylos den Zeus Nemetor. 
Sieben g. Th. 466, und erklärt diesen Namen in den Schutzileh. 388 f. 
'13 S. 56. Aesch. Agam. 112-125. Vgl. I1. XVII, 673 -678. 
6' S. 56. Aesch. Ag. ed. G. Hermann, 110 f. Vgl. Aesch. Ag. metrisch über- 
setzt von Wilhelm v. Humboldt, 1816 (nach dem Manuskript von Gotfr. Her- 
manns Rezension des Textes, die erst im Jahre 1852 veröffentlicht wurde).
        

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