Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374437
bei den Menschen  aber ohne die Gerechtigkeit. Der Weheruf 
ocillrvov OLÜKLVOV ertönt bloß und allein in diesem jüngsten Gericht des 
klassischen Altertums. Mit scheuem Blick und angstvoller Seele flieht 
selbst der fromme Aeneas vor dem furchtbaren Gerichte des Zeus, 
der Mißklang: odlcvoi: aillwoiz ist auch auf seine Stirne geprägt. Das 
schöne Gebet aber: "rä Feb vcmtrw, doch das Gute siege! ringt sich 
nicht aus seiner beklemmten Brust hervor. Die fromm versöhnende 
Harmonie des hellenischen Dichters verstummt im Bilde  „des 
christlichen Malers." Hier waltet nur „der Siimann Zeus", der die 
aufwuchernde Frucht der Sünde abschneidet und vertilgt, nicht aber 
auch der aschyleische Zeus Phyturgos, den der antike Dichter schön 
bezeichnet als  ,den väterlichen Gärtner", der die Auswüchse der 
Hybris besclmeidet und mit liebevoller Pflege ,das Gewächs" zur 
reichen Ernte erziehtf" 
Die schrille Dissonanz des klassischen aillwoiz, den Mißklang 
einer Gerechtigkeit ohne Liebe und einer Liebe ohne Gerechtigkeit 
hat Cornelius nicht hier aufgelöst, sondern erst in den Freskobildern 
der Ludwigskirche  zumal in dem jüngsten Gericht der christlichen 
Welt." Hier sinkt noch verzweifelnd Helena, die Ürheberin alles 
Unheils, neben ihrem Gatten zusammen, neben Menelaos, dessen Ehe 
sie gebrochen und der die Elende jetzt verlälätß Trostlos ringt die 
schöne Sünderin ihre Hände an dem edel gegliederten Stamm der 
dorischen Säule, kein Funke des Glaubens an Versöhnung mit der 
streng richtenden Gottheit lebt in ihrer verödeten Seele, kein Strahl 
der Hoffnungfallt in ihr liebeleeres Herz  ihre Zerknirschung ist 
die Reue der Verzweiflung. Dort aber umfafät die Sünderin Magdalena 
den rauhen Kreuzesstamm, Woran der Heiland der christlichen Welt 
hängt  das Urbild sittlicher Schönheit. Aus seinem für die sündige 
Menschheit brechenden Auge fällt ein Lichtstrahl der verzeihenden 
Liebe in das reuige Herz Magdalenens: da Weckt er  Glauben, 
Hoffnung, Liebe.
        

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