Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374404
herein, keiner entrinnt ihm als der frommgesinnte Aeneas, der 
seinen alten Vater Anchises auf dem Rücken, die blanke Waffe 
in der Faust mit seinem Söhnchen Ascanius die brennende Vater- 
stadt verläßt und mit den geretteten Penaten eine neue Heimat 
im fernen Latium aufsucht. Dort ruht segenverkündend auf ihm, 
als dem Stammvater des römischen Volkes, und auf seinem ganzen 
Geschlechte das Auge der fernblickenden Hekate. Hier aber waltet 
allein furchtbar die Nemesis, mit ihrem Stein weithin Verderben 
schleudernd nicht bloß auf den Frevler Paris, sondern auf das 
ganze Geschlecht des Priamos. Allein das Walten dieser Nemesis 
ist nicht die blinde Schicksalsmacht, die den Schuldlosen mit dem 
Schuldigen zermalmt: es ist das vernünftige Strafgericht des Zeus 
Nemetorß" Paris und Helena hatten nicht allein gefrevelt an dem 
Hausrecht der Atriden, sondern das Haus des Priamos hatte die 
Frevler aufgenommen und beschützt. Zeus Herkeios, der Schirmer 
des Familienrechtes, vertilgt daher als gerechter Vergelter, als 
Nemetor das ganze Geschlecht der Priamiden. Hektor, der Hort 
dieses Geschlechts, ist auf dem Felde der Ehre gefallen, und die 
siegreichen Griechen dringen nun in die Stadt und die Burg des 
Priamos. Nach nutzloser Gegenwehr stirbt im Palast der greise 
König an der Seite seines letzten Sprößlings Polites, seine Töchter 
und Enkel fallen den Siegern zur Beute. In der Mitte sitzt in 
starrem Entsetzen und dumpfen: Schmerz die Mutter der Priamiden. 
Hekabe, die Töchter klammern sich laut jammernd an sie an. 
Schon hat der wilde Neoptolemos Hektors Söhnchen Astyanax 
aus den Armen der in Ohnmacht niedersinkenden Andromache 
gerissen und schleudert ihn über die Mauer Trojas. Jetzt treten 
die beiden Atriden an die Mittelgruppe heran, in der einen Hand 
jenen vollstreckenden Speer der Vergeltung, womit sie nach Aeschylos" 
Ausdruck der Adler des Zeus gen Troja entsandt hatte; die andre 
Hand aber strecken sie nach der wehrlos vor ihnen liegenden Beute 
aus  nach den Töchtern der greisen Hekabe. Agamemnon faßt 
den Arm der Kassandra, Menelaos reißt als seine Siegesbeute 
Polyxena vom Schoße der Mutter. 
Aeschyleische Gedanken sind es wiederum, die hier Cornelius 
mit äschyleischer Großheit und Kraft geschildert hat, nämlich die 
Erfüllung des Schicksals, das nach jenem ersten Chorgesang der
        

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