Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374368
orphische Netz und Gewand des Zeus-Eros darstellte, so erscheint 
sie im Heroensaal nur als ein Mittelglied von einzelnen Momenten, 
die zwischen der ersten und dritten Reihe liegen, oder als einzelne 
Radien, welche die Kraft des Centrums zur Peripherie hinüber- 
leiten; die letztern verhalten sich aber wie nach der architektonischen 
Gliederung ihrer Form so auch in ihrem geistigen Gehalt zu ein- 
ander wie Ursache und Wirkung, wie Grund und Folge oder viel- 
mehr, um sie nach ihrer wahren ethischen Bedeutung zu bezeichnen 
 wie Schuld und Vergeltung. In der ersten oder centralen Bilder- 
reihe ist die Schuld des Paris laegründet als Ursache und Beweg- 
grund des trojanischen Krieges; in der letzten oder peripherischen 
Bilderreihe dagegen ist die Zerstörung Trojas und der Untergang 
der Priamiden als Wirkung und Folge der göttlichen Gerechtig- 
keit zur Anschauung gebracht. 
Der Raub der Helena durch den Priamiden Paris, dieser 
Frevel am Familienrecht des Atriden Menelaos, hat seinen Mittel- 
punkt in dem Mittelbilde des ganzen Cyklus, in der Vermählung 
des Peleus mit der Nereide Thetis; nicht deshalb, weil aus dieser 
verhängnisvollen Ehe der Hauptheld des trojanischen Sagenkreises 
und der llias, Achilleus entsprang, sondern weil sie das Werk des 
höchsten Gottes Zeus als des Begründers des Familienrechtes war. 
Nach den Grundgedanken der äschyleischen Prometheus-Trilogie 
stand Zeus selbst im Anfang seiner Weltregierung im Widerspruch 
mit dem ewigen Gesetz der Familie, indem er seinen Vater Kronos 
vom Throne stürzte. Zur Strafe für diesen Akt der Impietat war 
es ihm durch das ewige Sittengesetz verhängt, er sollte durch 
einen Sohn, den ihm Thetis gebären würde, dasselbe Schicksal 
erleiden, das er seinem Vater Kronos bereitet hatte. Allein durch 
den von Herakles befreiten Prometheus erfuhr Zeus dieses Geheimnis, 
als er gerade um die Nereide warb. Freiwillig entsagte er nun 
dieser verhängnisvollen Ehe und vermählte den Peleus mit der 
Nereide. Durch diesen Akt der Sophrosyne sich selbst strafend, 
versöhnte sich Zeus mit dem ewigen Sittengesetz und wurde nun- 
mehr selbst, als Zeus Herkeios, der Beschützer des Familienrechtes. 
In dem Reliefkranz des Mittelbildes erscheint daher Zeus an der 
Spitze der zwölf olympischen Götter bei der Vermählung von 
Peleus und Thetis. So verknüpft sich einerseits das Mittelbild
        

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