Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374324
in Arions Hand „lebt", im Gegensatz zur Einförrnigkeit des Natur- 
schönen. Denn die rhythmische Formenfülle und Lebendigkeit" der 
melischen und chorischen Arten der griechischen Lyrik schmiegt 
sich ebenso biegsam jedem Wechsel des lyrischen Gefühls und 
Gedankens an, wie die Welle dem Windhauch folgt, der über den 
Meeresspiegel gleitet. Ebenso ist die Göttin der sinnlichen Formen- 
schönheit, Aphrodite, in dem Basrelief über dem Gemälde dar- 
gestellt, wie sie aus dem Schaum des Meeres emporsteigt. Die 
schönen Gruppen der Meergötter endlich, Poseidon und Amphitrite, 
die Tritonen und Nereiden veranschaulichen die geistig-sinnliche 
Empfänglichkeit der anthropomorphischen Götterwelt für die Schön- 
heit der menschlichen Kunst. Alles zusammen genommen bezeichnet 
die Schöpfung und den Genuß des Kunstschönen durch die göttlich- 
menschliche Intelligenz. 
Das dritte und letzte Wandgemälde des Göttersaales hat zum 
Gegenstand den Typus der allgemeinen Menschenwürde, die ver- 
nünftige Liebe zur edeln, kräftigen That und deren Belohnung 
durch die göttliche Gerechtigkeit. lhr idealer Gehalt liegt in der 
Wahren Würde des Endzweckes, den die menschliche Intelligenz 
dem YVollen und Handeln setzt; ihr realer Gehalt ist die That- 
kraft des menschlichen Strebens, welche die Hindernisse in der 
äußern Natur und in der natürlichen Willkür der Menschen besiegt 
und das ewige Gesetz des Rechtes und der Sitte erfüllt. Die 
vollendete sittliche That ist das Ebenmaß jener Faktoren, Vernunft 
und Wille, und erwirbt den wohlverdienten Lohn. Herakles, die 
größte Gestalt unter den griechischen Heroen, hatte auf Erden 
unermüdlich gewirkt, um einer vernünftigen Lebensordnung den 
Boden zu bereiten: er hatte die ungeschlachten Riesen und Wege- 
lagerer bezwungen, den Antäos, Kyknos, Geryoneus; er hatte die 
wilden Stämme der Lapithen und Centauren bekämpft, und in der 
äußern Natur die Hindernisse menschlicher Arbeit überwunden, 
die Herden verschlingenden Üngetüme: den nemäischen Löwen, 
die lernäische Schlange, den erymantischen Eber, die Menschen 
fressenden stymphalischen Vögel. Die Götter sogar hatten den 
furchtbaren Giganten nur mit seinem Beistand obgesiegt. Zum 
Lohn für seine Großthaten tritt jetzt Herakles in den olympischen 
Götterkreis. Festlich versammelt scharen sich die seligen Götter
        

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