Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374312
und Erhabenheit des göttlichen Waltens. Die epische Kunst des 
Homer und Hesiod hatte den poetischen Anthropomorphisinus des 
Göttermythos in plastisch sinnlicher Klarheit gestaltet, sie hatte 
sich erlaubt, das edle Wort des Hippokrates logisch rein  aber 
nicht rein logisch  umzukehren in den allgemeinen Satz: Alles 
llIcnschZic-lze ist ganz und gar göttlich. Diesen logischen Fehler 
ihrer iiltern Schwester empfand jedoch die lyrische Poesie vorab 
als einen ethischen Mangel und strebte, ihn zu ergänzen: von ihr 
wurden die poetisch vermenschlichten Götterideale in ethischem 
Sinne umgestaltet zu edel-menschlichen Persönlichkeiten. Ja sie 
vertiefte sich zu der Ahnung eines alleinigen Gottes und rein 
sittlichen Geistes  als der Morgenröte der hellenischen Poesie, 
die zur Mittagshöhe der hellenischen Philosophie emporstieg, aber 
in beiden Gestalten, als roseniingrige Eos so gut wie als strahlender 
I-Ielios, das polytheistische Dunkel des hellenischen Volksglaubens 
durchbrach. 
Arion ist endlich der wahre Künstler im Sinne des Cornelius 
und vertritt die reine Idealität des Kunstschönen dadurch, daß er 
von den menschlich gestalteten Volksgöttern des Homer und Hesiod 
sich abwendet und ihnen den Rücken kehrt. Wie die Poesie die 
geistigste unter den Künsten, und die Lyrik die geistigste unter 
den Arten der Poesie ist, so erhebt sich die klassische Form der 
lyrischen Kunst, die hellenische Lyrik, zu dem Ideal der Vernunft, 
zur wahren Idee der Gottheit als der rein sittlichen Würde und 
Erhabenheit des alleinigen Gottes. In der christlichen Religion 
als „der allein wahren Religion" erkennt nun Cornelius ausdrücklich 
,die lebendige Quelle aller Kunst"; diese persönliche Ueberzeugung 
hat er ungefähr gleichzeitig im Jahre 1826 anderwärts in den 
Loggien der alten Pinakothek" so dargestellt, daß die Gestalten 
der Poesie und der bildenden Künste ,in dienender Stellung" um 
die christliche Religion gruppiert sind, und diese Grundansicht 
über die Bedeutung der Kunst ist in dem Anfangs- und Schluläbild 
der ganzen Reihe von Kompositionen, welche den Entwickelungs- 
gang der modernen Kunst zu ihrem Vorwurfe haben, in gleicher 
Weise wiederholt worden. In dem Ideal der Religion erkennt also 
Cornelius das Urbild der künstlerischen Idealität. Die sinnliche 
Realität aber ist in unserm Bilde durch die Lyra bezeichnet, die
        

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