Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374306
die er wunderbar erfahrt und in der Tiefe des dichterisch erregten 
Gemüts empfindet. Ihm selbst huldigt ja der Meerbeherrscher 
Poseidon mit seinem Beifall  den aber er nicht hört; ihm selbst 
danken ja die Tritonen und Nereiden mit ihren Gaben  auf die 
aber er nicht achtet. Dem „unbekannten Grotte", welchem der 
christliche Glaubensbote einen Altar in Athen errichtet fand, scheint- 
Arion einen Altar in seinem Herzen zu errichten, indem er ihm 
dankt, vor ilmz sich innerlich demütigt. In trüber Ahnung empfindet 
er ihn wohl und ringt, ihn zu bezeichnen und des Denkens Qualen 
zu bannen, so daß Wir von Arions Lyra die schöne Strophe eines 
äschyleischen Chorgesanges zu vernehmen glaubenz" 
Zeus, wer Zeus auch immer möge sein, ist er dieses Namens froh, 
WVill ich gern ihn nennen so; 
Ihm vergleichen kann ich nichts, wenn ich alles auch erwäg', 
Außer ihm selbst  wenn des Denkens vergebliche Qualen 
Ich in WVahrheit bannen will. 
Arion ist der edle Grieche, in dessen Seele ein Lichtstrahl 
der göttlichen Liebe fallt und in dem aufdämmernden Bewufätsein 
eine neue Welt des Schönen und Edeln weckt, gleich dem kos- 
mischen Eros, der in der obersten Bilderreihe zu Häupten Arions, 
gleichfalls auf dem Delphin sitzend, vom Reiche der Finsternis 
wegsteuert und die Bahn des kosmischen Lichtes betritt, und gleich 
Aurora, die in der mittleren Reihe aus dem Dunkel der Nacht. 
hervorbricht und den neuen Tag verkündet. In seinem vernünftigen 
Bewußtsein des Schönen und Edeln verwandelt sich jenes kosmische 
Alleins der göttlichen Liebe in den alleinigen Gott der Liebe, der 
sich ihm hilfreich und gut erwiesen hat. Arion ist ferner der 
hellenische Lyriker, der in sich gekehrt und innerlich vertieft, den 
erhabenen Geist der hellenischen Lyrik vertritt, in ihr lebt nicht 
der sinnbethörende Trieb des Eros Pandemos; denn sie ist zum 
geringsten Teil erotischer Art. In den Saiten der hellenischen 
Lyra schwingt sich „der Adlerflug" 53 des pindarischen Geistes auf: 
der Stolz der schönen, kräftigen That, der Siegesruhm von Olympia. 
und Delphi, von dem Isthmus und von Nemea, aber auch der tiefe 
Ernst und die stille Hoffnung, die in den schönen Bruchstücken 
seiner Threnen oder Grablieder über die Schranken des irdischen 
Daseins hinausgreift, endlich alles überragend die reine Würde
        

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