Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374295
sprang er in die Flut, allein „die gesangliebenden Delphinen" 
hatten das Schiff begleitet, und auf seinem Rücken trug ein Delphin 
den gottgeliebten Sänger ans Ufer. Ein Hymnus an Poseidon, 
welcher dem Arion selbst beigelegt worden istfo preist seine Er- 
rettung: „Tonliebende Delphine, der Töchter Amphitrites Spiel 
und Meeresbelustigung, geleiteten mich zu Pelops Land, als im 
sizilischen Meer ich irrte, auf krummem Rücken mich tragend, 
des neptunischen Feldes Furchen durchschneidend, den unwegsamen 
Pfad: da tückische Männer vom geräumigen Meerschiff in den 
Schwall des dunkelwogigen Meeres mich stürzten." 
Im Gemälde erscheint links Arion auf dem rettenden Delphin 
sitzend, der mit angestrengter Kraft zum gegenüberliegenden Ufer 
der Thetis hinsteuert. Allein Arion ist in den seltsamsten Kontrast 
zu seiner ganzen Umgebung gestellt. Ein geheimer Zauber fesselt 
galler Ohr, Auge und Hände an das Saitenspiel Arions, alles horcht, 
alles blickt auf ihn, die Hände sogar sind ihm Gaben spendend 
entgegengestreckt, alles atmet Lust und Freude auf dem behaglich 
ausgebreiteten Meeresspiegel. Und doch erscheint der Erwecker 
dieser Lust und Freude, der Mittelpunkt dieser gespannten Auf- 
merksamkeit einsam an den Rand des Bildes gedrängt, von seinen 
Hörern abgewandt, in tiefes Sinnen versenkt.  Ist es die ideale 
Gestalt des Schönen, die er im künstlerischen Geiste schaut, un- 
bekümmert um den Beifall der Hörer? Allein die stolze Autarkie 
des Schönen kleidet sich nicht in den melancholischen Ernst, der 
auf der vorgeneigten Stirn Arions liegt.  Oder ist es jene häufig 
bemerkte?" trübe Stimmung hochbegabter Geister, welche der geniale 
A. Schopenhauer mit dem meist bewölkten Gipfel des Königs unsrer 
Alpenwelt, des Montblanc verglichen hat, wann dieser von dem 
durchbrechenden Sonnenlichte gerötet aus seiner Himmelshöhe ins 
Thal von Chamounix herabsieht?  Allein nicht ein Herabsehen 
liegt auf der umwölkten Stirn des Sängers Arion, sondern ein 
Hineinsehen in die Tiefe der eigenen Brust  eine innere Demütig- 
ung vor der höhern Macht, die wunderbar aus dem Wellengrab 
ihn erlöst hat. Ein Dankgebet rauscht durch die Saiten, deren 
Harmonie alle Hörer fesselt und entzückt. Jedoch nicht vor diesen 
Jeichtlebenden", genußfreudigen Göttern des Meeres beugt sich 
sein Geist, nicht ihnen gilt sein Dank für die göttliche Liebe,
        

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