Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374258
der Wasserwelt, Poseidon, im dritten, dem Luftreiche, Zeus." Sie 
sind die Sieger über die rohe Naturgewalt der Titanen und Gi- 
ganten, die Gründer einer sittlichen Lebensordnung, des Familien- 
lebens und der Ehe. Neben Pluton thront in der Unterwelt die 
Gemahlin Persephone, neben Zeus thront auf dem Olymp die Gattin 
Hera, neben Poseidon sitzt auf dem Muschelwagen seine Gemahlin 
Ainphitrite. ln allen drei Gemälden sind die Menschen als Re- 
präsentanten der festen Familiensitte, des künstlerischen Schaffens 
und der sittlichen That die Hauptpersonen gegenüber den Göttern 
der drei Reiche: zuerst Orpheus, der seine Gemahlin Eurydike 
durch die Macht seiner Kunst aus dem Totenreiche zu befreien 
wagt; sodann der Sänger Arion, der vom Delphin aus den Fluten 
gerettet ans Ufer getragen wird; endlich Herakles, der größte 
unter den Heroen, der sich durch edles, kräftiges Wirken den 
Eintritt in den Olymp und göttliche Ehren erringt. Auch die 
Menschen sind hier nicht mehr bloß Naturwesen, d. h. sinnlich 
empfindende und begehrende, sondern sie sind auch Kulturwesen, 
d. h. vernünftig denkende und wollende Persönlichkeiten. Und das 
Band der Menschen ist nicht mehr bloß das Naturschöne, das in 
den organischen Verhältnissen der Geschlechter wirkt und sie zu 
sinnbethörender Leidenschaft hinreißt, sondern es ist das sittliche 
Band der Gesinnung, das in Orpheus und Eurydike sogar die 
Schranken. der physischen Existenz durchbricht und die Schrecken 
des Todes überwindet. Während endlich in der ersten Bilderreihe 
der makrokosmische Kampf des Lichtes gegen die Finsternis, in 
der zweiten Reihe der mikrokosmische Gegensatz "von Tag und 
Nacht wenigstens angedeutet ist, verschwindet er hier völlig: in 
alle drei großen Bilder der dritten Ordnung treten die Haupt- 
personen Orpheus, Arion und Herakles insgesamt von der linken 
Seite herein. Dagegen offenbart sich hier der sittliche Gegensatz 
in der Vergeltung des Bösen und des Guten, während er dort in 
den Schicksalsschwestern Nemesis und Hekate durch den orga- 
nischen Zusammenhang der Abstammung verhüllt und durch den 
auf den Mund gedrückten Finger des Harpokrates bloß ange- 
deutet war. 
Im ersten Gemälde sitzen in ruhiger Hoheit die strengen Toten- 
richter Minos, Aeakos und Rhadamanthys neben dem Herrscherthron
        

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