Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374248
Erebus die Hemera und den Aether, das Lichtreich und die Tages- 
helle. Die mythische Grundlage jenes Kampfes der Nacht mit 
dem Lichte, welchen Cornelius bloß andeutet, ist Mephistopheles 
in Goethes Faust; in ihm ist die jüdische Satanologie 43 mit der 
hesiodischen Theogonie so verquickt, wie es der in der Zeit des 
Ueberganges aus dem eigentlichen Mittelalter in die neuere Zeit 
entstandenen Faustsage angemessen war. Er heißt "des Chaos 
wunderlicher Sohn, ein Teil des Teils, der anfangs alles war, ein 
Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar, das stolze Licht, 
das nun der Mutter Nacht den alten Rang, den Raum ihr streitig 
macht." Allein nicht diesen großen kosmischen Kampf vertritt 
Mephistopheles, sondern dem Mikrokosmus gilt seine Wut der 
Vernichtung, dem Menschen, dieser „kleinen Narrenwelt, die sich 
gewöhnlich für ein Ganzes hält." Aber von dem Naturschönen, 
das an den Körpern haftet und den sinnlichen Eros weckt, hofft 
er die Erreichung seines Zieles. „Das stolze Licht, sagt er, so viel 
es strebt, verhaftet an den Körpern klebt, von Körpern strömtls, 
die Körper macht es schön, ein Körper hemnits auf seinem Gange, 
S0, hoif" ich, dauert es nicht lange, und mit den Körpern wird's 
ZU Grunde gehn." So setzt er nun dem sinnlichen Eros, oder, wie 
er von Faust genannt wird, „der ewig regen, der heilsam schaffen- 
den Gewalt  die kalte Teufelsfaust entgegen." Allein Faust 
erwidert ihm sogleich, daß er sie „vergebens tückisch ballt." Und 
den Grund davon kennt Mephistopheles selbst, wenn er, „des Chaos 
wunderlicher Sohn", von der Vernunft spricht, „als des Menschen 
allerhöchster Kraft." Diese gottähnliche Vernunft meint auch der 
kosmische Erdgeist, wenn er dem Menschen Faust zuruft: ,Du 
gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!" 
Die dritte Bilderreihe besteht aus drei großen Wandgemiilden 
und stellt die göttliche Vernunft der Liebe dar  das Reich des 
sittlich-schönen Eros Kalokagathos. Die Gottheiten dieses dritten 
Kreises sind nicht mehr Naturgötter, sondern die intelligenten 
Götter des Olymp, nicht mehr Personilikationen von Naturgebieten 
und Naturprozessen, sondern Persönlichkeiten, die mit intellek- 
tueller Freiheit über die verschiedenen Naturgebiete herrschen. 
An ihrer Spitze stehen die drei Kroniden, im ersten Gemälde, dem 
Schattenreiche, Pluton, der älteste Sohn des Kronos, im zweiten,
        

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