Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374228
Eros, der kein intellektuelles Maß des Schönen und Edeln keimt. 
ln den Seitenzwickeln eines jeden der drei Hauptbilder ist daher 
die vernunftlose sinnliche Leidenschaft der Liebe in mythischen 
Erzählungen dargestellt, Welche zum Kreise jener drei Naturgott- 
heiten gehören. Von Aurora erzählt der homerische Hymnus an 
Aphroditeßs dalä sie den schönen Tithonos entführte und von Zeus 
Unsterblichkeit für ihren Liebling erflehte. Da sie aber zugleich 
ewige Jugend zu fordern vergaß, freut er sich wohl der „golden- 
thronenden" Geliebten an Okeanos Strömen  so lange er jung 
ist. Als er aber gealtert, die Glieder nicht mehr regt und die 
Stimme dahin schwindet, verläfät sie ihn früh morgens beim 
Hahnenruf und sperrt ihn im Schlafgemach ein. Es fehlt das sitt- 
liche Band, welches unwandelbar in der Tiefe des Gemütes fest- 
hält, was auf der Oberidäche der Erscheinung unvermeidlich dem 
Wechsel der organischen Lebensform unterliegt. Die mythischen 
Metamorphosen, die Verwandlungen von Menschen in Tiere und 
Pflanzen, dienen sodann dem Künstler zur Darstellung der Mittags- 
glut der sinnlichen Liebe. Die Unvernunft der Leidenschaft ver- 
kehrt die vernunftlaegabten Wesen sogar in das vernunftlose Dasein 
der niedern Organisationsstufen, die überreizten Empiindungen und 
Begehrungen ihres innern Lebens sinken zur äußern Natur herab, 
sie werden zur mechanischen Gewohnheit, „zur andern Natur-f 
Apollons Geliebte Clythiai" verzehrt sich in Sehnsucht zu dem 
strahlenden Gotte, sie wird in die Sonnenblume verwandelt und 
wendet nun mechanisch in starrer, sinnberaubter Wiederholung 
ihre Strahlenkrone nach dem Laufe der strahlenden Sonne. Apol- 
lons Liebling Hyacinthus" sinkt zusammen, von dem aus der 
Hand des Gottes geschleuderten Diskus unversehens getroffen; aber 
neben ihm sprießt die Hyacinthenblume auf, die eine ewige Er- 
innerung seiner Liebe enthält; denn ihre Blumenblätter sind in der 
Form eines Ypsilon herumgebogen und stellen den Anfangsbuch- 
staben des griechischen Namens dlixzvdos dar. Daphne," von 
Apollon verfolgt, sinkt in den Armen des Gottes nieder, und der 
Lorbeerbaum, welcher als ihre Metamorphose hinter ihr aufwächst, 
schlingt seine Zweige um das Haupt des Gottes, der sich uns durch 
diesen Lorbeerzweig allein als Apollon zu erkennen gibt. Die 
züchtige Luna endlich, von dem lüsternen Actäon" im Bade
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.