Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374175
Tages- und Jahreszeiten, drittens in dem intellektuellen Streben 
des Menschengeistes nach der idealen Norm des Schönen und Guten. 
Dort waltet der kosmische, hier der sittlich-schöne Eros; in der 
Mitte liegt das Reich des sinnlichen Eros Pandenios. 
In der ersten Bilderreihe ist das Element der Erde mit den 
Tartara, dem Unterirdischen, durch den dreiköpfigen Cerberus be- 
zeichnet, die drei andern Elemente, die im strahlenden Aether 
liegen, sind das Wasser, durch den Delphin, das Feuer, durch den 
Adler des Zeus und die Luft, durch den Pfau der Hera bezeichnet. 
Aehnlich dem Reliefcyklus Thorvaldsens von den vier Elementen 
waltet über diesen insgesamt derselbe Gott der Liebe Eros als 
Prinzip alles Lebens und aller Entwickelung; er tragt in seiner 
Hand den Donnerkeil des Zeus und den Dreizack des Meerbeherr- 
schers Poseidon, den Hund des Hades führt er am Stricke. Dieser 
Eros ist nicht „der gliederlösende, der sinnbethörende Gott" des 
Hesiodßl sondern er ist der kosmische Eros, der zuerst aus dem 
wüsten Chaos die Elemente gesondert und zum schöngeordneten 
Weltganzen, zum Kosmos verknüpft hat? er ist der göttliche 
Weltbildner, der Demiurg, wie ihn der große Parmenides genannt, 
der Zeus-Eros, wie die Orphiker den weltbildenden Geist in Einem 
höchsten Götterideal zusammengefafät haben. Sein Werk ist „das 
netzartige Geflecht, das schöngeivirkte Gewand", wie die Orphiker 
den Kosmos genannt habenßs Dieser kosmische Eros „webt der 
Gottheit lebendiges Kleid", er ist der Erdgeist, der mit Gewalt 
den Cerberus händigt, d. h. die Machte der dunkeln Tiefe, welche 
alles Leben zu verschlingen drohen. Aber aus dieser dunkeln Tiefe 
ist die Erde hervorgetreten; auf dem Erdboden mit seiner breiten 
Brust, auf der wohlgegründeten dauernden Erde, wie sie Hesiod 
bezeichnet, entfaltet sich erst Licht und Leben. Hier waltet Eros 
als der geschäftige Geist, „der die weite Welt umschweift": auf 
dem Delphin steuert er mutig, den Dreizack in der Rechten, über 
das weite Meer; auf dem mächtigen Adler schwebt er, den Donner- 
keil in der Hand, zum Aether auf, den König der Luft leicht mit 
dem Bande zügelnd; in der Ruhe des Abends endlich kost er mit 
dem Pfau der Luftbeherrscherin Hera. Wie der Erdgeist in Goethes 
Faust kann dieser Weltgeist Eros von sich sagen:
        

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