Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374150
Mittelbildesf mit Prometheus, der eben durch den Eigennutz seines 
Wollens in Fesseln geschlagen, der Befreiung bedürftig geworden 
ist. Oder vielmehr der Befreier Herakles ist die im Mittelbilde von 
Pronietheus geschaffene Menschengestalt selbst, welche mit der 
ausdrucksvollen Miene, die Thorvaldsen ihr verliehen, das An- 
gesicht aufrichtet und gleichsam dem Sonnenlichte der göttlichen 
Vernunft zuwendet. Dadurch wird das äußerliche Gebilde des Pro- 
metheus selbst vernünftig beseelt, und innerlich befreit vermag 
Herakles auch den gefesselten Prometheus von der Strafe seines 
Uebermutes zu befreien. 
ln diesem (zyklischen Zusammenhang der drei Bilder bedeutet 
die Verbindungs- oder Titanenhalle für die ganze malerische Kom- 
position, wie auch architektonisch, die richtige Verbindung sowohl 
mit dem Götter- als mit dem Heroensaal. Sie tritt zunächst zum 
Göttersaal nicht bloß in die negative Beziehung des Kontrastes 
von Pandora und Psyche, sondern auch in eine positive Verbindung. 
Dort siegt die männliche Thatkraft des Herakles und wird mit 
himmlischer Ehre belohnt, aber im Titanencyklus tritt der innere 
Zwiespalt der Menschennatur hervor: ein Wille, welcher der höhern 
Einsicht folgt, und ein anderer, der sie verneint. Ebenso siegt im 
Göttersaal der weltbildende Eros über die Tartara, das kosmische 
Licht über die Finsternis, hier aber widersetzt sich der menschen- 
bildende Demiurg Prometheus dem Himmelslicht der Vernunft. 
Dort zeigt sich überall das Gute und Schöne in seinem reinen 
Glanze, hier aber in seinem Gegensatze zum "Uebel und Bösen  
jedoch auch in seiner Bestimmung, den Gegensatz zu überwinden 
und sich zur innern Freiheit emporzuläutern. ln allen drei Bilder- 
kreisen der Glyptothek gipfelt der philosophische Humanismus des 
Cornelius in dem tiefsinnigen Worte des Hippokrates: Alles Gött- 
liche ist ganz und gar menschlich?) In seiner logischen Univer- 
salität beherrscht es die Gestalten- und Gedankenfülle des Götter- 
saales, in seiner gleichwertigen logischen Umkehrung verwandelt 
es sich aber in den partikulären Satz: Einiges Menschliche ist ganz 
und gar göttlich, und in dieser Bedeutung erscheint das hippo- 
kratische Wort in der Titanenhalle. Die vernünftige Einsicht be- 
wirkt die Erlösung des Menschen aus der Sklaverei der Willkür 
und seine Erhebung zur Harmonie mit sich selbst oder mit dem
        

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