Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374131
Beseelung des Menschen oder der hellenischen Sophrosyne. Sie 
erscheint ebenso auf der Höhe und in der Mitte der Verbindungs- 
halle zwischen den beiden Mythencyklen der Festsäle, wie Michel- 
angelo die Bilder von der Beseelung Adams und dem Sündenfall 
nach der jüdisch-christlichen Tradition und zugleich im Geiste des 
platonischen Humanismus behandelt und in den Mittelpunkt seines 
großen Gemäldecyklus in der sistinischen Kapelle gestellt hat. 
Zunächst verbindet sie sich als rundes Mittelbild des T itanencyklus 
mit dem halbkreisförmigen Anfangsglied der Reihe, die, aus drei 
Bildern bestehend, quer über das Tonnengewölbe der Verbindungs- 
halle hingeht und sich auf der andern Seite in einem dem Anfang 
entsprechenden Halbkreisbild abschließt. 
Das erste Seitenbild des Titanencyklus stellt den Vorwitz der 
Pandora dar, welche den Titan Epimetheus verführt, die verhängnis- 
volle Kapsel zu ölfnen, worin die irdischen Plagen eingeschlossen 
waren; nunmehr kommen alle Uebel, Krankheit, Mühsal heraus- 
geflogen und schweifen über Land und Meer. Dadurch verbindet 
sich der Anfang des Titanencyklus mit dem Endbilde des Götter- 
saales, mit der Gestalt der Psyche, welche für ihren Weiblichen 
Vorwitz selbst gestraft. aber auch hierdurch innerlich emporgelau- 
tert zum ewigen Glücke laefahigt wird, während dagegen Pandora 
von den Olympiern mit allen Reizen nur deshalb geschmückt ward, 
um die Begehrlichkeit der Wilden Titanen zu ködern und zu strafen. 
Zeus ließ, wie Hesiod erzählt? den kunstreichen Hephäst aus 
feuchtem Thon ein Menschenbild machen und ihm menschliche 
Stimme und Kraft verleihen, gleich den unsterblichen Göttinnen 
eine jungfräuliche liebliche Gestalt; Athena lehrte sie kunstreiche 
Gewebe, Aphrodite umkleidete ihr Haupt mit Anmut und Liebreiz; 
Hermes aber verlieh ihr Schineichelrede und Tücke, die Chariten 
und Peitho legten ihr goldene Spangen um und die Horen schmück- 
ten sie mit Frühlingsblumen. So von allen Olympiern beschenkt, 
wurde sie Pandora, die Allbegabte genannt. Epimetheus nahm nun 
dieses Geschenk an und, wie es in seiner Natur lag, erkannte er 
das Uebel erst, nachdem er es an seinem Herde aufgenommen und 
durch den Schaden klug geworden War. Prometheus aber ist der 
immer Kluge, der seinen Bruder schon vorher gewarnt hatte, von 
den feindlich gesinnten Olympiern jemals ein Geschenk anzunehmen.
        

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