Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374122
Darstellung der Tugendlehre übereinstimmt mit der vollendeten- 
Ausbildung im platonischen Staate. Endlich hängt auch die neuere 
deutsche Renaissancekunst mit dem platonischen:Humanismus zu-V 
sammen, wenn auch unbewulät und mittelbar; denn die Vermit- 
telung zwischen beiden bilden sowohl der Platonismus in den 
Werken Michelangelos als auch die antike Reliefkomposition der 
hellenischen Sophrosyne, welche Thorvalrlsen als klassischen Aus- 
druck der Menschenwürde erkannt und im Geiste Winckelmanns 
bei seinen Nachfolgern Cornelius und Kaulbach zur anerkannten 
Geltung gebracht hat. So stimmt der Humanismus in der Kunst 
der Gegenwart über Jahrhunderte hinaus überein mit dem philo- 
sophischen Humanismus der italienischen Renaissance und über 
Jahrtausende hinweg mit dem Humanismus Platons. 
Was den Menschen adelt, die Humanität, und was er als die 
höchsten Ziele freien Denkens und Forschens sich setzt, die ldeen 
Gott, Freiheit und Seele, was er auch als die tiefsten Geheimnisse- 
der Religion glaubt und verehrt, das vermögen nicht bloß die Poesie 
und die Tonkunst zur hörbaren, sondern auch die bildenden Künste 
zur sichtbaren Erscheinung zu bringen. Dazu bedarf es aber einer 
großräumigen cyklischen und einer philosophischen Kunst, dazu 
bedarf es auch des Meiläels eines Michelangelo und Thorvaldsen, 
des Pinsels eines Michelangelo und Raphael, des Stiftes eines. 
Cornelius. 
III. 
Peter Cornelius, unter den Malern das Haupt der neuern. 
deutschen Renaissance, bemaehtigte sich des Reichtums der von 
der griechischen Poesie und Kunst und Wissenschaft ausgebildeten 
Mythen, um die antike Idee der Humanität, den philosophischen 
Humanismus im Geiste WVinckehnanns künstlerisch zu gestalten. 
Diese Aufgabe erfüllte er in den drei Gemäldecyklen der Münchener 
Glyptßtlilck; in den beiden Blestsälen behandelte er den Götter- 
mYthQS Hesiods und den Heroenmythos Homers, in der mit beiden 
Räumen verbundenen Eingangshalle den Titanenmythos des Pro-- 
metheus, Epinietheus und der Pandora. Gleichsam als Ueberschrift 
für die Bilderkreise aller drei Räume reproduzierte er wie Thor- 
valdsen die antike Reliefkomposition von der Erschaffung und
        

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