Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374052
wiederholt worden ist: Ich bin der Herrscher, ich will's, anstatt 
der Vernunft sei die Willkür! Schon im ersten Jahrhundert des 
Kaiserreichs verglich Persius die Willkür mit der gesetzlichen 
Freiheit der römischen Republik und fragte: Kann ich nicht thun, 
was ich will? Bin ich nicht freier als Brutus? Dem herrischen 
Geiste des Römertums begegnete im Zeitalter des Verfalls der 
Republik und in den ersten Jahrhunderten der christlichen Aera 
die freie griechische Bildung in Wissenschaft und Kunst, und 
diesem historischen Gegensatz verdankte die von Thorvaldsen in 
den römischen Sammlungen entdeckte antike Reliefkomposition, 
zwar nicht ihre Entstehung, aber ihre Verbreitung in ähnlicher 
Weise, wie das von Raphael in dem Gemäldecyklus der Farnesina 
dargestellte antike Märchen von Amor und Psyche offenbar den 
letzten Niederschlag platonischer Elemente in sich birgt, aber in 
der uns überlieferten Gestalt der späten römischen Litteratur und 
dem zweiten christlichen Jahrhundert angehört. 
Als Thorvaldsen jene antike Reliefkomposition selbständig 
reproduzierte, verstand er die Beseelung des Thongebildes durch 
Prometheus und Pallas in demselben Sinne, wie schon Michelangelo 
den von Auge und Hand des Schöpfers beseelten Adam nicht nach 
dem künstlerisch wertlosen Motiv der Genesis, sondern nach der 
platonischen ldee des Ebenmaßes von Vernunft und Wille gebildet 
hatte. Denn die auffallende Veränderung, die er an der antiken 
Komposition vernahm, hat Thorvaldsen von Michelangelo entlehnt. 
Im antiken Relief der Sophrosyne steht das Menschenbild zwischen 
den beiden menschenfreundlichen Gottheiten bloß empfangend und 
unentschieden, nach welcher Seite es sich wende. lm Basrelief 
Thorvaldsens aber kehrt sich der Menschenkopf sogleich, wie Pallas 
den Schmetterling emporhält, aus freiem Antrieb zur Göttin hin, 
und Aug" in Auge versenkt sich die gottverwandte, vernunftbegabte 
Menschenseele in die Anschauung des Ideals der Vernunft, der 
Gottheit. Dieses schöne Motiv ist unzweifelhaft platonisch, aber" 
Thorvaldsen hat es nicht, wie Michelangelo, aus erster Hand 
empfangen, d. h. von Platon oder von der platonischen Akademie 
in Florenz, sondern es ist ihm aus der Hand Michelangelos zu 
teil geworden. Jedoch gerade da, wo Thorvaldsen und Michelangelo 
in demselben Gedanken zusammentreffen, und jener von diesem
        

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