Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374026
eingraben ließ: vixit annos novem, er lebte neun Jahren Schon 
Winckelrnann hatte seinen ästhetischen und historischen Spürsinn 
nicht bloß an den großen Werken der griechischen Kunst, die zu 
seiner Zeit bekannt waren, geübt, wie am belvederischen Apollon 
und Laokoon, am Torso des Herakles und der Niobidengruppe, 
sondern auch an Werken der Kleinkunst und des Kunsthandwerks, 
an geschnittenen Edelsteinen und Münzen, an römischen Sarkophagen 
und Lampen, an Bronzemedaillons sein historisches Gesetz vom 
griechischen Götter- und Heroenmythos nachgewiesen und erkannt, 
daß in solchen Ueberresten oft große und sinnreiche Originalwerke 
des Altertums nachgeahmt und uns auf diese Weise erhalten worden 
sind. Thorvaldsen entdeckte nun in Rom an solchen Arbeiten der 
niedern Kunst und des Handwerks eine Reliefkomposition, die für 
die ganze cyklische Kunst der neuern deutschen Renaissance von 
grundlegender Bedeutung geworden ist. Sie trägt noch in ihren 
rohesten Nachbildungen jenen Stempel des antiken Geistes, den 
Winckelmann geprägt hat  edle Einfalt und stille Größe, und 
veranschaulicht am mythischen Gegensatz der Titanen und der 
olympischen Götter mit klassischer Einfachheit den gleichen Gegen- 
stand, den Michelangelo in seinen beiden großen Cyklen mit un- 
vollkommenen Mitteln symbolisch und allegorisch, und Platon in 
der einfachsten Gestalt seiner Tugendlehre wissenschaftlich dar- 
gestellt hatten  die reine Menschenwürde oder Humanität. Als 
das Schiboleth der von Winckelmann angeregten Renaissancekunst 
ist sie von allen cyklischen Vertretern derselben anerkannt und 
in deren eigenen Schöpfungen verwendet worden. Thorvaldsen 
eröffnet damit seinen Reliefcyklus der vier Kardinaltugenden, Cor- 
nelius seinen großen Gemäldecyklus der Glyptothek, und in Kaulbachs 
Bilderkreis der Weltgeschichte erscheint sie zweimal, im Anfang 
des Arabeskentrieses als mythische Darstellung der Menschen- 
schöpfung und im letzten Hauptbild an einem Sarkophag als das 
Wahrzeichen der Renaissance in Wissenschaft und Kunst. 
Die von Thorvaldsen zur Geltung gebrachte antike Relief- 
komposition behandelt in den uns aus dem Altertum erhaltenen 
Nachbildungen den Kernpunkt des griechischen Göttermythos, den 
Gegensatz der Titanen und der Olympier, der alten und der neuen 
Götter und den Gegenstand ihrer gemeinschaftlichen Pflege, den 
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