Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373990
trägt jedoch sein Unterkleid. Ferner stellt Michelangelo auch die 
nackten allegorischen Figuren der Tageszeiten in der Bedeutung 
von Naturanlagen der menschlichen Seele gegenüber der Bildung 
und Ueberbildung der fürstlichen Mediceer. 
Die Kunst der neuem deutschen Renaissance ist noch ent- 
schiedener als die italienische Renaissancekunst Michelangelos und 
Raphaels die Wiedergeburt der Antike und des Menschentums, 
und zwar im Sinne der reinen Humanität oder des philosophischen 
Humanismus. Die platonische Philosophie hat zwar aufgehört, 
einen unmittelbaren Einfluß auf das künstlerische Schaffen auszu- 
üben, aber der philosophische Geist, der die Meisterwerke Michel- 
angelos und Raphaels beseelt, wurde von den deutschen Künstlern 
erkannt und spornte sie zur Nacheiferung an. Der Hauptvertreter 
der neuern deutschen Renaissancekunst, Cornelius, zählte daher 
ausdrücklich die beiden italienischen Meister zu den Philosophen 
in der Kunst. Wenn auch nicht den Philosophen Platon, hatte 
doch die Kunst der neuern deutschen Renaissance ihren litterarischen 
Führer an dem Urheber der „Greschichte der Kunst des Altertums", 
an Winckelmann, und dieser beherrschte mit seinem Einflulä die 
deutsche Kunst ebenso während eines ganzen Jahrhunderts von1 
Erscheinen seines Hauptwerkes an im Jahre 1764, wie jener das 
Cinquecento beherrscht hatte. Er setzte mit genialer Originalität 
den historischen Entwickelungsgang der Antike an die Stelle der 
frühern antiquarischen Behandlung, und unterschied mit genialein 
Feingefühl an den vorhandenen Denkmälern so scharf die Stilarten 
der Zeitalter und Völker, dafä nicht blolä die Kunstgeschichte bis 
auf den heutigen Tag nichts Wesentliches hinzugefügt und hinweg- 
genommen, sondern daß auch die Idee einer Kulturgeschichte der 
Menschheit nach jenem Muster von Herder erfafät und in der 
Folgezeit festgehalten werden konnte. Es erscheint auch nicht 
zufällig, daä der letzte Vertreter der cyklischen deutschen Renais- 
sancekunst in seinem Bilderkreis der WVeltgeschichte diese Idee 
zu realisieren versucht hat. Die ganze Reihe ihrer Kunstgenossen 
von Thorvaldsen bis auf Wilhelm Kaulbach herab hängt durch
        

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