Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373978
erste Atemzug des vom Schöpfer beseelten Adam in Arm und 
Hand ein Streben und Wider-streben, ein Hemmen und Steigen des 
Begehrens ausdrückt. Die Kontinuität des unbewufäten Seelenlebens, 
die der Schlaf nicht unterbricht, und zugleich die Kulturfahigkeit 
des selbstbewußten Lebens der Seele, die zu den höchsten Ziel- 
punkten des menschlichen Strebens sich hinaufläutern, aber, be- 
ständig von Rückschritten bedroht, wieder zurücksinken kann. 
kurz die Natur der menschlichen Seele konnte nicht augenfiilligrgr 
dargestellt werden, als es in Michelangelos berühmter Statue der 
Nacht geschehen ist. Die allegorische Gestalt des Tages kenn- 
zeichnet hingegen die niedern Antriebe der menschlichen Seele: 
List und Gewaltthat. Zwischen das Hohe und Niedere der mensch- 
lichen Naturanlagen in die Mitte gestellt erscheint über dem 
Sarkophag die Idealgestalt Giulianos dei Medici. Er kehrt sich 
ab von der Nacht und wendet sich entschieden dem Tage zu: er 
ist der reine Sohn des Tages. Der andre Mediceerfürst schwankt 
zwischen der Morgenfrische des erwachenden Tages und dem 
Dämmerlichte des Abends; aber von frischer, freudiger That kehrt 
er sich ab, und gedankenvoll wendet er sich der Stille des Abends 
zu: er ist der Sohn der aufdämmernden Nacht, Lorenzu, il pensiero. 
In vollendetem Ebenmalä gruppieren sich auf den Sarkophagen der 
beiden Mediceer linienrein und formenschön die sinnvollen Allegorien 
der Natur, aber in der Kultur der Menschenseelen herrscht der 
Zwiespalt  die Entartung: sie sind herabgesunken, der eine zu 
weiheloser That und der andere zu thatlosem Denken. Die Würde 
und Macht des mediceischen Hauses hatten die Ahnen des Geschlechts, 
Cosimo und der ältere Lorenzo, gegründet und befestigt, sie hielten 
die Wage Italiens fest in ihrer Hand, aber auch in ihrer Seele 
das Gleichgewicht von Vernunft und Wille. Sie schöpften das 
Ideal der Humanität aus der platonischen Philosophie, und zwar 
aus der einfachsten Gestalt der Tugendlehre, die Platon in seinem 
Dialog ,Der Staatsmann" entxrvorfen hat. Sie besteht aus zwei 
Tugenden, aus der Besonnenheit und Tapferkeitf" jene ist die 
Würde des Wissens, diese die Würde des Wollens, und die Harmonie 
beider ist die sittliche Weberkunst, die aus den realen Kräften 
der menschlichen Seele. aus dem starken Zettel 
dem begierdelosen Einschlag des Denkens das 
des Wolle-ms und 
schön gewobene
        

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