Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373949
und zuletzt noch in der rechten Hälfte des Doppelbildes vom 
Sündenfall erkennt es den Stammvater des Menschengeschlechts, 
der frei denkend und frei wollend Besitz ergreift von der weiten 
Erde. Gott, Freiheit  und Seele schaut das gottbeseelte, sibyllinisch- 
prophetische Auge. Denn wie das sinnliche Auge selbst sonnen- 
haft ist, gleich dem Sonnenlicht, das es schaut, so ist das Auge 
des Geistes selbst dem Ewigen verwandt, das es denkt. Das hatte 
schon der „großef Parmenidesf wie er von Platon genannt wird, 
erkannt, und darauf hatte Platon selbst sein Lehrgebäude gegründet? 
Die drei Vernunftideen des Unbedingten, Gott, Freiheit und 
Seele, hat der groläe Königsberger Weise in seiner Dialektik der 
reinen Vernunft als Ausgangspunkte des Wissens verworfen und 
die Prinzipien aller Erkenntnis, der spekulativen so "gut wie der 
empirischen, im Reiche des Bedingten, in der Erfahrung gefunden; 
er hat sie aber gleichwohl als Zwecke und Zielpunkte der mensch- 
lichen Erkenntnis anerkannt in der Schrift: Metaphysische Anfangs- 
gründe der Naturwissenschaft. Ebenso nehmen die Hände und 
die Augen des Propheten Jonas eine entgegengesetzte Richtung, 
jene gehen auf die Erfahrungsthatsache des Todes, diese streben 
zum Reiche des Uebersinnlichen. Auch der Kranz der Sibyllen 
und Propheten folgt übereck der Augenachse des Jonas und teilt 
sich darnach in zwei Hälften. Die rechte, philosophische Reihe 
fällt noch in das nach der rechten Seite gewendete Sehfeld des 
Jonas, der als führender Geist sie überblickt, sie beginnt mit der 
hellenischen Sibylle, der schönen Delphika, und findet an der letzten 
und höchsten Stelle ihrer Entwickelung, in Jonas, den bezeichnenden 
Gegenstand ihres Forschens in der thatsächlichen Schranke alles 
Lebens, dem Tode. Von der linken, theologischenbHälfte des 
Sibyllinisch-prophetischen Kreises aber kehrt sich J onas entschieden 
ab, sie sammelt sich um den Propheten Ezechiel, dessen Glaubens- 
eifer vom Engel aufwärts nach der Höhe des Gewölbes zur Erit- 
wickelungsreihe der Offenbarungsthatsachen, und zwar auf den 
Sündenfall hingelenkt wird. In der führenden Gestalt des Jonas 
erscheint der Vorrang der Vernunfterkenntnis gegenüber der Gottes- 
erkenntnis und zugleich die Abkehr von der scholastischen Unter- 
ordnung der Philosophie unter die Theologie -und die Rückkehr zur 
Antike, die über zivei Jahrtausende zurückgeht, wie sie andererseits
        

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