Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373885
stand das Fürstenhaus, das Machiavelli aufrief, seinem Vaterlande 
die Rückkehr zu nationaler Einheit und Macht mit allen Mitteln 
zu erwerben, das die Wage Italiens in seinen Händen hielt und 
inmitten der Hauptstaaten Italiens zwischen dem Königreich Neapel 
und dem Kirchenstaat im Süden und den Nordstaaten Venedig 
und Mailand die Machtverhältnisse dieser Länder genau kompen- 
sierte; der mächtigste Mediceer, Lorenzo il Magniiico, wird sogar 
von dem Geschichtschreiber Guicciardini selbst die Wage Italiens 
genannt. Die beiden Mediceer, Cosimo, der Gründer der platonischen 
Akademie, und Lorenzo, ihr Vollender, waren nicht bloß fürstliche 
Gönner und Beschützer der Wissenschaftlichen Bildung, sondern 
nahmen selbstthätigen Anteil an den akademischen Bestrebungen, 
und neben diesen Fürsten und Staatsmännern Italiens gehörten zu 
jenem erlauchten Kreise wohl Humanisten im heutigen Sinne des 
Wortes oder Philologen, aber auch Philosophen wie Marsiglio 
Ficino und Pico von Mirandola und Dichter und Künstler wie 
Michelangelo und Polizian. Der Vereinigungspunkt dieser in den 
verschiedensten Gebieten der höhern Bildung thätigen Männer, die 
platonische Philosophie, ist der reinste, selbstbewußte Ausdruck des 
nationalen Hellenentums, die Nationalphilosophie des griechischen 
Altertums, und die italienische Renaissance muß daher als die 
Rückkehr zur Antike, als die Wiedergeburt der Antike verstanden 
werden. Die Rückkehr zur platonischen Philosophie ist nun aber 
zugleich die Rückkehr zur Idee des reinen Menschentums, der 
Humanität, und Renaissance und Humanismus sind eigentlich nur 
zwei Wörter für einen und denselben Begriff. Denn Platon be- 
zeichnet wie sein Lehrer Sokrates als die wesentliche Aufgabe der 
Philosophie die Idee der Humanität: der Philosoph, sagt Platon, 
wolle nicht einen Menschen erkennen, er könne seinen Nachbar 
nicht einmal kennen, aber was der Mensch überhaupt sei  die 
Idee des Menschentunis  zu erkennen, das sei sein eifrigstes 
Bemühen? Wir dürfen daher, sowie von einem wissenschaftlichen 
und litterarischen  auch von dem Humanismus in der Kunst reden.
        

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