Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Humanismus in der Kunst
Person:
Kaiser, Victor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373871
(Eottes YVort geglaubt, aber als Wort Gottes nach der Gesetz- 
mäßigkeit der menschlichen Sprachfornl, des hellenistischen Sprach- 
baus im neuen und des hebräischen im alten Testament, also 
hunianistisch 
erkannt 
werden 
sollte i 
bezeichneten 
die 
Namen 
Rinascimento und Humanismus i1n 15. und 16. Jahrhundert dies- 
seits und jenseits der Alpen verwandte Begriffe: was in Wissen 
und Glauben, in Staat und Kirche entartet war, sollte durch eine 
YViederkehr und Wiedergeburt der wahren Humanität zu neuer 
Blüte gelangen. 
In der allgemeinen Bildung der Gegenwart fehlt die Blüte 
der italienischen Renaissance, der philosophische Humanismus, 
daher das Wort jetzt nur in der engen Bedeutung des philologischen 
Humanismus verstanden wird. Die platonische Philosophie hatte 
die Blütenpracht erzeugt, welche im Jahre 1545 durch den Maien- 
frost der römischen Inquisition und der Gegenreformation geknickt 
und vernichtet wurde. Von da an verschwand sie aus dem Be- 
wußtsein der allgemeinen Bildung und wird jetzt nur noch in den 
Studierzimmern der Gelehrten gehegt. Was heute noch „platonisch" 
genannt und Wovon im Denken und Leben geurteilt wird, dalä es 
bloß „akademischen" Wert habe, darauf ruht sogar der Fluch der 
Lächerlichkeit. Und doch ist vollkommen wahr, was ein besonnener 
Forscher auf den Gebieten der deutschen Litteratur und Philosophie 
vor ein paar Jahrzehnten ausgesprochen hat, es gebe in der Menschen- 
geschichte keinen Staatsmann und Feldherrn, der für die mensch- 
liche Kultur mehr geleistet habe als Platon? Der Mittelpunkt in 
der Blütezeit der modernen Kultur, welche wir die italienische 
Renaissance nennen, war die platonische Akademie in Florenz. 
Sie nannte sich Akademie in dem Bewulätsein des Zusammenhangs 
mit der unmittelbaren Schule Platons, mit der altern Akademie, 
und wenn das Wort Akademie später bis auf den heutigen Tag 
vielfach angewandt wurde für die Bezeichnung gelehrter Gesell- 
schaften und Bildungsanstalten, die mit der platonischen Philosophie 
in keiner Verbindung standen, so geschah dies erst nach dem 
Erlöschen der italienischen Renaissance. Die mediceische Akademie 
war auch keine Gelehrtenverbindung, sondern der freie Verein 
hochgebildeter Männer, welche in derselbenLiebe und Begeisterung 
für die platonische Philosophie sich begegneten. An ihrer Spitze
        

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