Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Übungen in der Betrachtung von Kunstwerken
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1371483
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1372140
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angesehen wird, sondern Ausgang und Endziel einer 
eingehenden Betrachtung bleibt, bei der das kunst- 
und kulturgeschichtliche Element als möglichst ein- 
zuschränkende Zuthat ganz zurücktritt. Es muss 
immerwährend mit dem Auge gearbeitet werden. 
Für die deutsche Jugend müssen die deutschen 
Meister voranstehen. Das erscheint selbstverständ- 
lich, ist aber leider vorläufig noch frommer Wunsch. 
Wo unsere Knaben in den Gymnasien und unsere 
Mädchen in den höheren Töchterschulen mit alter 
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Kunst bekannt gemacht werden, ist es die antike 
und die italienische. Und sie pflegen sich das Auge 
durch den Anblick der fremdartigen Formen (in 
GipsabgüssenundPhotographiemOriginalebekommen 
sie kaum anders als in den drei grossen Königs-- 
Städten zu sehen) derart verwöhnt zu haben, dass 
sie Dürer, Holbein, Rembrandt, Ostade nicht mehr 
unbefangen geniessen können. Ich will nicht da- 
von reden, dass sie ihnen, wenn überhaupt, wohl 
nur als Künstler, wenn nicht geringerer Art, so 
doch niedrigerer Entwickelungsstufe vorgestellt zu 
werden pflegen. 
An Schongauer, Dürer, Holbein, Ostade, Rem- 
brandt muss das deutsche Kind in die ältere Kunst 
eingeführt werden. Erst von diesem 
aus soll es ins Ausland sehen. 
Standpunkt 
Wie unsere germanischen Meister unmittelbar zu 
Herzen gehen, das haben in zehnjähriger Praxis 
die Kreise der Hamburger Lehrervereinigung beob- 
achtet und an sich selber in Erfahrung gebracht.
        

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