Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Übungen in der Betrachtung von Kunstwerken
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1371483
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1373565
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Der 
Humor. 
In 
welchem Lebensalter ist wohl die Seele am deut- 
lichsten in den 
nicht schnell. 
Zügen 
ausgesprochen F 
Antwortet 
Im 
höheren 
Lebensalter. 
Wie 
kommt 
das P 
In 
der 
Jugend 
sind 
die 
Züge 
noch 
glatt. 
Erst die häuüge Wiederholung desselben Ausdrucks 
gräbt ihn im Lauf der Jahre deutlich ein. S0 
kommt es, dass ein Künstler sich oft für den Kopf 
eines alten Mannes oder einer alten Frau mehr 
interessiert als für den eines jungen. Ihr habt ge- 
wiss ein jugendbildnis von Bismarck gesehen. 
Wenn ein Künstler die Wahl hätte, den jungen oder 
den alten Bismarck zu malen, wofür würde er sich 
wohl 
entscheiden? 
Für 
den 
alten 
Bismarck. 
Ich hörte einst einen grossen Künstler zu seinem 
Freunde sagen: Ich muss einmal dein Portrait 
machen, aber noch nicht, warten wir noch zehn 
Jahre, dein Kopf ist noch nicht reif.  Mit dem 
Antlitz Kaiser Wilhelms I. ist es ähnlich gegangen. 
Es wurde immer schöner, je älter der Kaiser wurde. 
Alles, was er erlebt hatte, die grossen Entschlüsse, 
die seinem Herzen oft so schwer wurden, die täg- 
liche Sorge und das wachsende Gefühl der Ver- 
antwortlichkeit graben ihre Züge hinein. Manche 
Leute meinen, wenn sie dieses Bildnis sehen, es
        

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