Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vom Arbeitsfeld des Dilettantismus
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1365863
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1366410
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Ein Hauptaugenmerk wurde auf die künst- 
lerische Vertiefung der Bildnisphotographie, auch 
der des Berufsphotographenj gerichtet. Denn so 
lange Publikum und Photograph im Bildnis durch 
Retouche und gar durch den Photokorrektor das 
Charakteristische umgehen oder unterdrücken, 
wird auch in der Bildnismalerei niemand die 
Wahrheit vertragen können. Bei der Kinder- 
photographie hat der Amateur bereits Wandel 
geschaffen. Das Kind wird von seiner Umgebung 
schärfer und besser, weil mit dem Herzen, beob- 
achtet, als der Erwachsene. Der Amateur ist 
in der Lage, viele Versuche machen zu können, 
um den Moment voller Unbefangenheit zu packen, 
und ist es ihm gelungen, so wird sein Erfolg 
bei den Angehörigen um so grösser, je charakte- 
ristischer das Bildnis ausgefallen, und niemand 
denkt daran, Retouche von ihm zu verlangen. 
Der Berufsphotograph befindet sich dem Kinde 
gegenüber in einer sehr viel schwierigeren Stel- 
lung. Es fühlt sich fremd in den sonderbaren, 
ungewohnten Räumen des Ateliers, verliert seine 
lieblichste Eigenschaft, die Hingabe, und ein er- 
freuliches Ergebnis ist ein Glücksfall. Wenn die 
Retouche dann auch ein Engelsgesicht herstellt, 
das Herz der Eltern ist doch nicht ganz zufrieden. 
Die Berufsphotographen, deren Kundschaft den 
höheren Ständen angehört, klagen bereits ganz 
ernsthaft, dass das Kinderbildnis aus ihren Auf- 
gaben zu verschwinden beginnt. 
Dass sich durch die Thätigkeit des Amateurs
        

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