Volltext: Vorschule der Aesthetik (Theil 2)

 Göthe sagt einmal (gegen die Skizzisten i) : nDie bildende 
Kunst soll durch den äussern Sinn zum Geiste nicht nur sprechen, 
sie soll den äussern Sinn selbst befriedigen. Der Geist mag sich 
alsdann hinzugesellen und seinen Beifall nicht versagenmt 
Diess tritt in die zweite Stilfoderung hinein. Es kommt nicht 
blos darauf an, dem Geiste etwas zu bieten, dessen Sinn gefällt, 
sondern es auch in einer Weise zu bieten, die gefällt. 
Hienach drücken wir die zweite Stilfoderung so aus: unter 
den durch die sachliche Angemessenheit oder Federung der Idee 
und durch die Stilrücksichten aus ersterm Gesichtspuncte gestatte- 
ten Formen und Verhältnissen der Darstellung sind die vorzuzie- 
hen, welche auch abgesehen davon,  was wir hier Kürze hal- 
her an sich nennen wollenwi)  am bessten gefallen;  wofür 
wir aber auch setzen können: unter verschiedenen Weisen, wie 
sich eine Idee näher bestimmen lässt, ist unter sonst gleichen Um- 
ständen eine solche vorzuziehen, für welche eine an sich wohlge- 
falligere Darstellungsform angemessen, ist. Beides aber kommt im 
Grunde auf Eins heraus, nur dass es manchmal bequemer sein 
kann, sich dieser oder jener Ausdrucksweise zu bedienen. In der 
That, jede andere Darstellungsform entspricht von selbst einerauders 
moditicirten Idee; der Künstler aber hat bis zu gewissen Gränzen 
die Freiheit, jede allgemeine Idee so oder so modificirt darzu- 
stellen, und er hat die vcrtheilhafteste Modilication vorzuziehen. 
Die Bücksichten, welche aus diesem zweiten Gesichtspuncte 
des Stils zu nehmen sind, werden sich eben so wenig als die, 
welche unter den ersten treten, durch Betrachtungen erschöpfen 
und anders in Regeln bannen lassen, als dass man zu jeder Regel 
zufügt: sie gilt nur so weit, als sie nicht durch andere Regeln, mit 
denen sie in Conflict kommt, beschränkt oder überwogen wird. 
Ziehen wir auch hier Einiges beispielsweise in Betracht, ohne dabei 
vermeiden zu können, in manche früher angestellte Betrach- 
tungen zurückzugerathen.  
Namentlich ist es das Princip der einheitlichen Verknüpfung 
des Mannichfaltigen, von welchem wichtige Stilrücksichten zweiter 
Art abhängen. Sollte es allein und blos betreffs der anschaulichen 
l) Propyläen S. 36. 
 Anderwärts ist dnS direct Wohlgefällige als an sich Wohlgefälliges 
dem associativ Wohlgefälligen gegenübergestellt worden, womit der jetzige 
Gebrauch nicht zu verwechseln ist.
	        
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