Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1363489
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bessern Genrebildern nicht gern sagen, dass sie überhaupt stilisirt 
seien, indem man factisoh unter einer stilisirten Darstellung in der 
bildenden Kunst eine solche versteht, in welcher nach einer, in 
einer bestimmten Kunstrichtung hergebrachten, Weise sei es aus 
untriftigem oder triftigem Motiv von der Natur über das Nothwen- 
dige hinaus abgewichen ist. S0 z. B. nennt man die antiken Pferde 
stilisirt, die den natürlichen in mehreren Beziehungen nicht glei- 
chen, nicht minder eine Darstellung moderner Gegenstände in 
mehr oder weniger antikem Gepräge. S0 gut als in antikem 
Sinne könnte aber eine Darstellung auch in chinesischem Sinne 
stilisirt sein. Ausserdem giebt es Schuldefinitionen des Stilisirens, 
wie wenn E. Förster in seiner Vorschule der Kunstgeschichte 
S. 439 sagt: vEine stylisirte Form in der bildenden Kunst ist eine 
auf den einfachsten Ausdruck gebrachte Bezeichnung des Gegen- 
Stillldßsa; was mir jedoch den üblichen Sinn nicht zu treffen 
scheint; und vollends wiire der gute Stil ein armseliges Ding, 
wenn man ihn nach dieser Definition seiner Ableitung beurtheilen 
wollte.  
Eine Art Eigensinn des Sprachgebrauches scheint es mir zu 
sein, wenn man in gewissen Fällen, die sich der weitsten Fassung 
"des Stilbegriffes unterordnen lassen, (indem es sieh dabei doch auch 
um eine, mehrern Kunstwerken aus einem gewissen Gesichtspunete 
zukommende Gemeinsamkeit handelt), lieber von Manier als Stil 
spricht. Einmal versteht man unter Manier eine, in den Be- 
dingungen der technischen Verfahrungungsweise oder Handhabung 
41er Mittel oder in der Nachahmung eines gewissen Musters be- 
gründete Gemeinsamkeit der Form- oder Farbegebung, so, wenn 
man von Kreidemanier, Tuschmanier, einer Manier des Farbenauf- 
trags, einem in Raphaels Manier gemalten Bilde u. s. w. spricht, 
ohne daran wesentlich den Begriff des Fehlerhaften zu knüpfen. 
Man würde in der That statt dessen nicht von Kreidestil, Tusch- 
stil u. s. w. sprechen mögen; wenn schon man meinen sollte, da 
das Aeusserliehe der Form und Farbe dem Griffel (Stil) naher liegt 
als der Hand, hätte die umgekehrte Bezeichnung näher gelegen. 
ln einem andern Sinne aber setzt man Manier dem Stil im engern 
Sinne oder guten Stil als etwas Fehlerhaftes gegenüber, indem man 
darunter eine, in der Subjectivität des Künstlers oder einer Kunst- 
schule begründete, Gemeinsamkeit der Form- oder Farbegebung 
versteht, die weder durch sachliche Angemessenheit noch die Vor-
        

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